Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1881)
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 78 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969670-2969674--0086-2970487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
78 Mcherschau. Tie Sittcnlehre des Judenthums von Dr. E. Griinebaum, Bezirksrabbiner in Landau. (I. Schneider's Verlag in Mannheim, Preis Mk. 6.) Wenn wir auf das bereits 1878 erschienene Werk unseres Landsmannes, des Bezirksrabbiners De. Grünebaum von Landau, eines Mannes, dessen Name als Gelehrter weit über die Grenzen der Pfalz hinausragt, jetzt zurückkommen, so geschieht das theils im Interesse des ausgezeichneten, von den bedeutendsten Fach- und politischen Blattern auf's günstigste beurtheilten Buches, theils und hauptsächlich — wir wollen es nicht leugnen — aus humanen Gründen, weil in dessen Werk mit so viel Gründlichkeit, so viel Ruhe und Klarheit all die Vorurtheile. die in der neuesten Zeit gegen Juden und Judenthum laut geworden sind, widerlegt werden. Wenn man verrostete Waffen hervorholt, um sie'dem unwissenden Volk gegen die Juden in die Hand zu drücken, so ist es gewiß am Platze, eines Buches Erwähnung zu 11)11», das mit wissenschaftlichen Beweisen und gründlicher Gelehrsamkeit den hohen ethischen Charakter des Judenthums ins Licht setzt, das in seiner riesigen Geistesmacht jene Pygmäen siegesgewiß und mit Leichtigkeit über'n Haufen wirft! Was die Fachblätter betrifft, so können wir hier auf christlicher Seite nur auf die „Jahrbücher für protestantische Theologie" Hinweisen, da uns andere nicht zu Gebote stehen. Im Jahrgange 1878, zweites Heft, bespricht Professor Holzmann in einer Abhandlung „zur synoptischen Frage" Griinebaums Buch, so weit dasselbe mit dessen Aufgabe zusammenhängt, und stellt dessen Ansichten, die Ansichten des jüdischen Autors über Fragen und Stellen des neuen Testamentes, welche Grünebaum in seinem reichhaltigen Werke wiederholt zu behandeln Gelegenheit hat, allerdings nicht immer zustimmend, neben die Ansichten der bedeutendsten christlichen Theologen, wie Keim, Weiß, Hilgenfeld, Schenkel u. A., gewiß ein Zeugniß von der Wichtigkeit, die der berühmte Professor Grünebaums Buch selbst nach dieser Richtung hin beilegt. In einem großen politischen Blatte spricht ein Kritiker den Gedanken aus, daß mit diesem Buche die große Frage über Entstehung und Bedeutung des Pharisäismus ihren Abschluß gefunden habe. In der Augsburger „Allg. Ztg." erhielt das Werk eine sehr günstige, ausführliche Besprechung und die Wiener „Neue freie Presse" hebt in dem Buche besonders den versöhnlichen Sinn hervor, der, ohne nach irgend einer Seite zu verletzen, im Gegentheile dem Christenthume volle Gerechtigkeit giebt und dessen große Verdienste auch um die geistige Besiegung des Heidenthums hervorhebt und rein objectiv das Sittengesetz des Jndenthums dem anderer Bekenntnisse an die Seite stellt. Und in der That, was der Verfasser in der ersten Auflage seines Buches bemerkt, daß er außer dem wissenschaftlichen Zweck auch das Leben im Auge habe, eine sittlich praktische Aufgabe, um seinerseits mit den vielen freien Geistern in nnserein Vaterlande an der endlichen Zerstörung der Scheidewände, welche der Fanatismus des Mittelalters aufgerichtet, mitzuarbeiten, den Separatismus zu brechen, der noch wie ein Alp auf den biederen Herzen unseres Volkes lastet, und das unauflösliche Band der Einheit und Liebe um Alle zu schlingen, die in demselben unversiegbaren Born der Gotteserkenntniß ihre tiefste, geistige und sittliche Beseliguug schöpfen — denselben Wunsch drückt er auch am Schluß der Vorrede zur zweiten Auflage aus, daß seine Arbeit, außer ihren wisseuschaftlicheu Zwecken auch praktisch zur Zerstreuung der Vorurtheile, zur Versöhnung und Einiiligung der Gemüther, zur allgemeinen Gerechtigkeit und Bruderliebe beitragen möge!