Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1881)
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 77 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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77 „Bet Josef", eine äußerst treffliche von großer Belesenheit und seltenem Scharfsinne zeigende Erläuterung der vier Turim des N. Jakob Ascheri begonnen. Die Vollendung dieses bei der Gesammtjudenheit in hohem Ansehen stehenden Werkes nahm, wie er selber angiebt, zwanzig Jahre 1522 — 1542 und die nochmalige Revision derselben 12 Jahre seines Lebens in Anspruch. Nach einiger Zeit siedelte er von Adrianopel nach Solonichi über, wo er sich nur wenige Jahre anfhielt, dann wählte er die von vielen Gelehrten und Kabbalisten bewohnte Stadt Safet zu seinem neuen Domicil, wo er bis an sein Lebensende verweilte. In Safet lag er seinen Studien im Lehrhause des Berab ob, dessen Schüler er sich nannte und von dem er auch die Ordination erhalten und zum künftigen Synhedrialmitgliede designirt wurde. Kaum hatte Berab das Zeitliche gesegnet, als Karo zu dessen Nachfolger im Ainte ernannt wurde. In Safet vollendete er sein bereits erwähntes Werk „Bet Joseph" das heute noch von allen Fachmännern bewundert wird und als Repertorium der althalachischen Literatur fast unentbehrlich ist. Karo schrieb auch unter dem Titel „Kesef Mischne" einen sehr gediegenen Commentar zu Maimonides „Jad Chasaka" in welchem er Maimonides gegen seine Gegner vertheidigte. Diesen beiden Werken folgte dann sein Religionscodex, den er Schulchan Aruch nannte. Mit demselben wollte er das bezwecken, was Maimonides mit der Abfassung seines „Jad Chasaka" zu erreichen beabsichtigt hatte, nähmlich den gebildeten Laien, denen cs an Zeit und Muße gebricht, "das große Meer des Talmud zu durchsegeln, das Studium der Religionsgesetze zu erleichtern. Karo's Schulchan Aruch, zu dem spätere rabbinische Autoritäten treffliche Commentare schrieben, wurde bald nach dessen Erscheinen von der Gesammtjudenheit als officieller Lehrcodex des süd. Religionsgesetzes anerkannt und gewürdigt. Trotz seines reichen Wissens und seines klaren Geistes war Karo, der Maimonides seines Zeitalters, denn doch nicht frei von Vorurtheilen; denn während Maimonides außer dem Talmud auch der Philosophie eingehende Studien gewidmet hatte, befaßte sich Karo in den Mußestunden mit dem Studium der Kabbala, wozu er von dem Schwärmer Salomon Molcho lebhaft angeregt wurde. Salomo Molcho und sein alter Gesinnungsgenosse David Reubeni haben um jene Zeit eine tiefe Bewegung innerhalb der Jndenheit erzeugt und heillosen Schaden angerichtet. Der Abenteurer Reubeni, der sich einige Zeit in Arabien und Nubien anfgehalten, trat plötzlich in Europa auf und gab vor, daß er ein Bruder des Königs sei, der den in Arabien lebenden isr. Stamm Reuben beherrsche, daher er sich Reubeni nannte. Sein ganzes Wesen war auch danach angethan und geeignet, ihn für eine höchst eigenthümliche mysteriöse Persönlichkeit zu halten. Seine Hautfarbe war schwarz und seine Statur sehr klein, fast zwerghaft und äußerst mager. Nichtsdestoweniger war er kühn, muthig und unerschrocken, und rühmte sich, daß er schon öfters Gelegenheit gefunden, von seinem Heldeninuthe entsprechende Proben und Belege zu liefern und z. B. einmal in einer Schlacht 40 Mann erschlagen hätte. Von Palästina, wo man für seine Märchen und Phantasterein kein geneigtes Ohr hatte, reiste er über Alexandrien nach Venedig und Rom. Papst Clemens VII. dem er von portugiesischen Capitainen empfohlen wurde, nahm ihn sehr freundlich auf und überhäufte ihn mit Ehrenbezeugungen, wodurch es ihm gelang auch seinen Glaubensgenossen, die sich anfangs reservirt hielten, weil sie seinen Angaben keinen Glauben schenkten, zu imponiren. Sie glaubten nunmehr in ihm ihren Erlöser erblicken zu müssen. (Fortsetzung folgt.)