Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1881)
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 76 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2969669-2969670-2969674--0084-2970485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
76 lichkeit des jüdischen Jerusalems war, für sein Vorhaben zu gewinnen, war Berab allerdings bemüht. Er lies ihm ein Dvcument zustellen, in welchem er ihm anzeigte, daß er kraft seiner Autorität und Würde als Oberhaupt des neu constituirten Synhedrion ihn zum ordinirten Richter ernannt habe. Obschon Ben Chabib früher einmal selber die Meinung geäußert, daß die Erneuerung der alten Lemiolm ein dringendes Bedürfniß der Zeit sei, lehnte er denn doch das Anerbieten entschieden ab und gab in unzweideutiger Weise zu verstehen, daß er sich in seiner Ehre und Würde verletzt fühle, da man ihn als Oberrabbiner von Jerusalem respectiren und seine Zustimmung zu Berabs Ernennung zum Synhedrialoberhaupte zuvörderst hätte einholen sollen. Es entspann sich in Folge dessen eine heftige Polemik zwischen beiden in Palästina anerkannten und hochverehrten rabbinischen Autoritäten. Ben Chabib machte deni Berab zum Vorwurfe, daß er sich nur deßhalb für die Creirung einer religiösen Centralbehörde in Safet begeistere, weil ihm hiedurch Gelegenheit geboten werden könnte, seinen Ehrgeiz befriedigen und seiner Herrschsucht huldigen zu können, während Berab wieder keinen Anstand nahm, Ben Chabib an sein ehemaliges Scheinchristenthum zu erinnern. Diese Anspielung auf seinen ehemaligen Religionswechsel verfehlte nicht auf Ben Chabib einen höchst deprimirenden Eindruck zu machen. Er wurde in Folge dessen sehr erbittert, so daß er — sein einstmaliges Scheinchristentum hatte er mit seiner Jugend entschuldigt und betheuert , daß es ihm sonst weder an Mut noch an Einsicht gefehlt hätte, um das Feuer des Scheiterhaufens dem Wasser der Taufe vorzuziehen — — gegen Berab keine Rücksicht mehr kannte, ihn auf die schmählichste Weise verletzte, ohne seine Stellung, seine hohe Gelehrsamkeit wie sein vorgerücktes Alter nur im Entferntesten zu achten. In seiner Unversöhnlichkeit ging er so weit, daß er entschieden erklärte, Berab nimmermehr von Angesicht zu Angesicht sehen zu wollen. <Ben Chabib Resp. 328. > Der Umstand, daß die beiden hervorragendsten rabbinischen Autoritäten Palästinas feindselig gegen einander in die Schranken traten und im heißen Kampfe der Meinungen die uöthige Ruhe des Urtheils und des Gemüthes verloren, hat dazu beigetragen, daß Berabs sehnlichster Wunsch, die alte Ordination wieder einzuführen, nicht sofort verwirklicht werden konnte. Nichtdcstoweniger war der von Berab ordinirte Rabbiner R. Joseph Karo, der nach dem 1541 erfolgten Tode seines Lehres und Gönners Berab, dessen Nachfolger ini Amte wurde, eifrigft bemüht, die Ordination, die Berab einmal eingcführt, ohne daß sie die Sanction erhalten hatte, aufrecht zu erhalten Joseph b. Efraim Karo lgeb. 1488 — gest. 1575), der in seinem zartesten Kindesalter mit seinen Eltern aps Spanien exilirt wurde, war der würdige Sprosse einer achtbaren durch Gelehrsamkeit und hohe Tugenden hervorragenden Familie. Er wurde schon frühzeitig von seinem Vater R. Ephraim im Talmud unterrichtet und, da er eine besondere Vorliebe für das Studium der Mischna zeigte, ist es kein Wunder, daß es ihm bei seinen ungewöhnlichen Geistesgaben bald gelungen ist, den ganzen Text der Mischna auswendig zu erlernen. Als seine Familie Spanien zu verlassen gezwungen war, wühlte sie Nieopolis zu ihrem Domicil. Später jedoch verließ Joseph Nieopolis und ersah sich Adrianopel zum Schauplatze seiner Thätigkeit. Hier erregte seine immense talmudische Gelehrsamkeit ungewöhnliche Sensation und schaarenweise strömten die wißbegierigen Jünger herbei, ui» mit gespanntester Aufmerksamkeit auf seine Vorträge zu lauschen. In Adrianopel hat er auch sein epochemachendes Werk