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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-03-01 · Heft 3 (1.3.1881) · p. Seite 75

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 3 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 75 (sequence 19)
Language
German
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75 Schauplatze ihrer Wirksamkeit gewählt wurden. Als die bedeutendsten Geistesheroen dieser Epoche galten Berab, Ben Chabib und R. Joseph Karo. Jakob Berab*), der 1474 in Maqueda bei Toledo das Licht der Welt erblickte, zeichnete sich schon frühzeitig durch Scharfsinn, gründliche Gelehrsamkeit und Lauterkeit des Charakters aus. Nach der 1492 erfolgten verhüngnißvollen Vertreibung der Juden aus Spanien gelang es ihm nach einer mit vielen Gefahren verbundenen Wanderschaft nach Tlemsan zu entkominen, und von da verfügte er sich nach Fez, wo er seiner eminenten Gelehrsamkeit halber so viel Sensation eregte, daß die dortige Gemeinde ihn, den achtzehnjährigen Jüngling, zu ihrem Rabbiner und zum Leiter des daselbst bestandenen Lehrhauses ernannte. Als jedoch später die von dem wildesten Fanatismus beseelten Spanier in Afrika Eroberungen machten, sah sich Berab genöthigt, Fez zu verlassen und nach Palästina zu wandern, wo er Safet zu seinem Domieil wählte. Hier stand er einem Lehrhause vor und da er sowohl mit zeitlichen Gütern als mit ungewöhnlichen hohen Geistesgaben beglückt und durch sein energievolles unerschrockenes Auftreten zu imponiren im Staude war, gelang es ihm bald sich die allgemeine Hochachtung und Verehrung zu erringen, und als erste rabbinische Autorität Palästinas anerkannt zu werden. Die meisten jüdischen Gelehrten Palästtinas hegten damals den Wunsch, die alte Ordination (Semicha) wieder einzuführen, um dem heiligen Lande durch die Creirung der religiösen Centralbehörde der Juden den alten Glanz wieder verleihen zu können. Diesen Wunsch zu verwirklichen war Berab umsomehr aus allen Kräften bestrebt und bemüht, als er sich einerseits der größten Popularität erfreute, und anderseits Safet damals die größte jüdische Gemeinde im Lande war. Er ließ zu diesem Behufe eine Synode, die aus 25 Rabbineu bestand, einberufen. Von derselben wurde er einstimmig zum Präsidenten ernannt. Nichtsdestoweniger sah sich Berab bald in seinen Erwartungen bitter geteuscht, indem man in Jerusalem seine diesbezüglichen Pläne zu vereiteln um so mehr sich verpflichtet sah, als man in der Inauguration der alten Ksmiolla (Ordination) in Safet, eine tiefe Verletzung und Entwürdigung der heiligen Stadt erblicken zu müssen glaubte. Als entschiedenster Gegner Berabs trat der damalige Ober-Rabbiner Jerusalems, Lewi b. Jakob Ben Chabib, auf. Jakob b. Chabib aus Zamora, der sich durch seine Agadasammlung „En Jakob" einen klangvollen Namen erworben hatte, flüchtete sich mit seinem als Scheinchrist erzogenen Sohne Lewi von Portugal nach der Türkei, wo sie in Salonichi sich eine Zeitlang aufhielten. Später übersiedelte Lewi nach Jerusalem, wo er von der dortigen jüdischen Gemeinde seiner tiefen talmudischen Gelehrsamkeit wegen — als Spanier von Geburt war er auch frühzeitig mit den profanen Wissenschaften vertraut gemacht worden — zu ihrem Rabbiner ernannt wurde. Diesen Lewi b. Chabib, der die einflußreichste und maßgebenste Persön- *) Berab's Lehrer war Isaak Aboab in Portugal, der, obschon einäugig, bei dem sonst nicht sehr judenfreundlich gesinnten König Don Juan II. in hohem Ansehen stand. Auf Aboab's Fürsprache ließ Juan II. sich herbei, den aus Spanien eingewanderten Marannen den Eingang in Portugal zu gestatten. Ungefähr 120,000 Juden kamen infolgedessen nach Portugal, um von der ihnen ertheilten Erlaubniß, sich acht Monate daselbst aushalten zu dürfen, Gebrauch zu machen. Allein sie sahen sich bald in ihren Erwartungen bitter getäuscht. Das fanatisirte Volk wollte sie um keinen Preis im Lande dulden. Sie mußten wieder zum Wanderstabe greifen. Der größte Theil dieser Exulanten ging einem traurigen Ende entgegen.

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