Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1881)
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 74 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Aber nicht nur die spanischen Juden, sondern alle Juden des Mittelalters benutzten die hebräischen Buchstaben zur Wiedergabe fremder Sprachen, das beste und lehrreichste Beispiel hiefür ist der größte Commentator der nordfranzösischen Exegetenschule, R. Salomo Jizchakr de Trohes. Näheres über die Transscription sümmtlicher ronianischer Sprachen mit jüdischen Typen findet sich in Böhmer's „Romanischen Studien", Heft 2, p. 164—220. Wie wichtig diese Llteraturerzeugnisse für die romanische Philologie seien, habe ich in den erwähnten Studien (1878) in meinem Aufsatze: „lieber das jüdisch-spanische als Beitrag zur Aufhellung der Aussprache des Altspanischen" gezeigt, wie auch im Februarheft von Anton Edliuger's Literaturblatt (Wien, Klinkhardt) kurz mitgetheilt. Es sind dies aber vorzüglich Erzeugnisse der spanischen Juden. Die portugiesischen Juden hingegen veröffentlichen gegenwärtig ihre Journale, Revuen und andere Schriftwerke in spanischer Sprache, die' allerdings mit vielen italienischen und portugiesischen Wörtern gemischt ist, in lateinischen Typen. Die größte Gemeinde ist in Amsterdam, und ihr an Größe fast gleich ist die in Hamburg. Von der größten Wichtigkeit aber zur Würdigung der Bibelexegese ist die im Jahre 1558 zu Ferrara herausgegebene Bibelübersetzung tradusida palabra por palabra de la verdad hebrayca, nach dem hebräischen Text wortgetreu übersetzt. Man kann mit Recht von dieser Uebersetzuug behaupten, daß sie ein noch ungehobener Schatz ist. Und dabei konnte diese Bibelübersetzung das Damoklesschwert der Inquisition ruhig über sich ergehen lassen, da sie, wie aus dem Titel zu ersehen viele y examinad aper el officio de la Inquisicion (durchgesehen und geprüft durch das heilige Officium der Inquisition). H-schichtsbikder aus der nachkalmudischen Zeit bis auf die Gegenwart (1500—1880.) Nach den Quellen bearbeitet von vr. M. H. Friedländer. I. Rerak, Ren Chakib, Josef Raro und Salomo Molcho. Während das katholische Königspaar Ferdinand und Jsabella die Juden aus Spanien austrieb, war die türkische Regierung ihrerseits bestrebt den massenhaft einwanderuden Exulanten freundliche Aufnahme zu gewähren. Schaarenweise strömten die von furchtbaren Schicksalsschlägen und schweren fast unerträglichen Prüfungen des Lebens hart getroffenen Söhne Abrahams nach dem Morgenlande, um dort ein menschenwürdiges Dasein fristen, die jüdische Wissenschaft pflegen, die religiösen Anstalten und gemeinnützigen Institutionen fördern und irdische und zeitliche Güter sich erwerben zu können. In den bedeutendsten Städten der Türkei, Griechenlands und den Inseln bildeten sich neue jüdische Gemeinden, ebenso getvannen die alten Gemeinden Palästinas durch den Zuzug der Einwanderer an Zahl, Größe und Achtung. Die hervorragendsten palästinensischen Gemeinden, der damaligen Zeit waren: Safet und Jerusalem, die von den eingewanderten spanischen. Gelehrten zum