Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1881)
- Date
- 1881-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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73 In Salonichi (Thessalonich), dem Hauptsatz der spanischen Juden, erscheint ein Blatt unter dem Titel: Le Epoca „Die Epoche". Rivista politica, comercial y literaria (Politische, commercielle und literarische Rundschau) und wird redigirt von Sadia Halevi. In Sniyrna, deni Orte, wo Reisende und Touristen, die Kleinasien mit seinen historischen Ruinen besuchen wollen, gewöhnlich abzusteigen pflegen, erscheint ein Blatt unter dem Titel: La Esperanza „Die Hoffnung" aparece cada jueves, gerente responsable Rabbi Joseph Chasan, jeden Donnerstag unter der verantwortlichen Leitung des R. I. Chasan. Smyrna ist überhaupt heutzutage der wichtigste Ort für die Literatur der spanisch-portugiesischen Juden. Dickleibige Romane, Dramen und Komödien, ‘ allerdings größtenteils dem biblischen Alterthume entnommen, erscheinen alljährlich daselbst. Auch das wichtigste literarische Denkmal „Meam loes“* *) (wörtlich „vom fremden Volke") wurde zum ersten Male daselbst veröffentlicht. (Vergl. ferner die österreichische Monatsschrift fiir den Orient, 15. Juli und 15. August 1876.) Auch an humoristischen Zeitschriften fehlt es nicht, so erschien noch vor Kurzem eine Wochenschrift „Risibisi“ benannt. Es entspricht beiläufig dem französischen Chari vari. Interessant bleibt es immer, daß risi der regelmäßige Plural von riso „das Gelächter" ist, und das ganze Wort etwa mit „Lachpillen" demgemäß deutsch wiedergegeben werden könnte. Diese Wochenschrift Risibisi wurde von dem leider zu früh verstorbenen Joseph Calvo in Wien veröffentlicht. Das Motto derselben war folgendes: 8avio y loco De todo un poco. („Ernst und fröhlich, von beiden ein wenig"). Eine kurze und auch zutreffende Erklärung des wahren Humors. Joseph Calvo, Herausgeber des Risibisi, war zugleich im Verein mit Herrn A. Semo, Mitredakteur der vom Jahre 5617—20 (1857—60) veröffentlichten Zeitschrift El Dragoman, „Der Dolmetsch". Seit neuester Zeit erscheint in Constantinopel ein rein literarischen Interessen dienendes Blatt unter dem Titel: El Israelit (Der Israelit). Alle bisher erwähnten Journale, Revuen, Brochuren und Bücher werden mit hebräischen Typen (Raschi-Schrift) gedruckt.**) Da die Sprache aber spanisch ist, so wird es ohne Zweifel von nicht unerheblichem Vortheil sein, zu erfahren, daß die Vocale nicht ganz genau wiedergegeben sind; wenn auch von der anderen Seite betont werden muß, daß der Vocalwechsel zwischen e und i, o und u noch im heutigen Spanisch durchaus nicht stxirt ist. A. Semo mit der größten Bereitwilligkeit mir sämmtliche Journale und Revuen zur freiesten Verfügung stellt und jede gewünschte Auskunft sofort brieflich ertheilt. *) „Meam loes“ ist ein sehr ausführlicher Coimnentar der Bibel, der sich nicht nur auf den Pentateuch sondern auf die sämintlichen 24 Bücher des Alten Testa.nents bezieht; nnd in seiner Art wol einzig dasteht; etwas ähnliches bieten wol die Agadoth und Midraschim bei den Juden des übrigen Europa, diese sind aber in hebräisch-aramäischer Sprache abgesaßt, die selbst dem gelehrten Juden schwer verständlich sind, während Moam loes populär geschrieben, dem Berständniß des Volkes angepaßt ist. Die letzte Auflage dieses für Sagen und Mythen gleich wichtigen Werkes erschien 5507, also 1746 ». d. g. Z. Herr A. Semo ließ mir ein solches Exemplar von Smyrna kommen und befindet es sich gegenwärtig in meinem Besitze. **) Gelegentlich sei bemerkt, daß die spanisch-portugiesischen Juden für die hebräische Cursivschrift auchejn eigenes Alphabet besitzen. 6