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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-03-01 · Heft 3 (1.3.1881) · p. Seite 70

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 3 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 70 (sequence 14)
Language
German
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70 höchstens den Erfolg, daß die Juden, die früher schon überzeugt waren, daß sie — Dank der Erziehung in Schule und Haus, welche kleinen Kindern schon Haß und Spottreden gegen die Juden beibringt — viele Feinde haben, diese setzt nach Namen, Stand und Charakter kennen, eine Weile öffentliche Schani und Vergnügungslocale meiden, sich enger unter einander zusammenschließen und auf ihr sehr glückliches Familienleben sich beschränken werden. Zum Schlüsse noch eine aufrichtig gemeinte Bitte an die deutschen Judenfeinde im Namen der Pietät, welche jedes anständige Volk den Geistesheroen seiner Vergangenheit bewahrt. Wollet ihr, ungeachtet aller Widerlegungen und Gegenbeweise, nicht aufhören, alte Vornrtheile weiter zu pflegen, so möget ihr dies vor eurem Gewissen verantworten. Aber ziehet doch die Zierde der deutschen Nation nicht gewaltsam in den unsauberen Handel mit hinein. Warum verunglimpft ihr die klangvollsten deutschen Namen, Namen wie Schiller und Göthe, und stempelt sie zu Euresgleichen? Hütten auch solche Größeir einzelne judenfeindliche Aeußerungen gethan; was beweist dies? Nur, daß sie in diesem Punkte waren wie ihre Väter alle, noch durchdrungen von den finsteren Vorurtheilen des achtzehnten Jahrhunderts. Soll denn das neunzehnte Jahrhundert auf die Ideen des achtzehnten zurückgeschraubt werden? Möchte wohl das deutsche Reich die kleinbürgerlichen Ansichten und Zustände vergangener Tage znrückwünschen? Wollten die Semiten ebenfalls frühere Geistesgrößen für sich reden lassen, sie fänden in allen Staaten bedeutende Männer, die ein kräftiges Wort über Freiheit, Recht und religiöse Toleranz gesprochen haben, sie konnten auf M i r a b e a u, Rousseau, Voltaire und den Priester G r e - goire in Frankreich, auf Maeaulay, Buckle, Mill in England, ans Reuchlin, Wilhelm von Humboldt, Dohm und Lessing in Deutschland Hinweisen. „Wollet ihr", ruft Mirabeau, „daß die Juden bessere Menschen, nützliche Bürger iverden? Verbannet aus der Gesellschaft jede demüthigende Scheidung, öffnet denselben alle Wege des Erwerbs und der Subsistenz .... Setzet die jüdische Schule ans gleichen Fuß mit der christlichen." Der Prediger Gregoire läßt sich folgendermaßen vernehmen: „O ihr Nationen! seit achtzehn Jahrhunderten tratet ihr Israel mit Füßen .... Die Wuth eurer Vorfahren hat ihre Schlachtopfer unter dieser unglücklichen Herde gewählt.... Werdet ihr euren Haß euren Kindern als einen Theil der Erbschaft hinterlassen? . . . Ein neues Jahrhundert bricht au; mögen die Palmen der Menschlichkeit seine Pforte umkränzen." „Bei dem großen Haufen", sagt Dohin, „machen auch die ausgezeichnetsten Verdienste des Geistes und des Herzens den Fehler nie verzeihlich — Jude zu sein.... Die der Menschlichkeit und der Politik gleich widersprechenden Grundsätze der Ausschließung, welche das Gepräge der finsteren Jahrhunderte tragen, sind der Aufklärung unserer Zeit unwürdig." „Sollen Treu und Redlichkeit unter zwei Völkerschaften herrschen", ruft Lessing, „so müssen beide gleich viel dazu beitragen. Wie aber, wenn es bei der eiueu ein Religionspunkt und beinahe ein verdienstliches Werk wäre, die andere zu verfolgen? ... Ich sollte glauben, daß es unter allen Nationen gute und böse Seelen geben könnte." „Der Aberglaube, in dem wir ausgewachsen, verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum doch seine Macht nicht über uns. „Es sind nicht Alle frei, die ihrer Ketten spotten. „Es hat mich oft geärgert, hat mich Thränen genug ge-

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