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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-03-01 · Heft 3 (1.3.1881) · p. Seite 68

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 3 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 68 (sequence 12)
Language
German
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68 mögens das Land zu verlasse». „Das Huhn im Topfe war vor des Königs Griffen nicht sicher." Wie er einen Borwand gefunden, alle Glieder des Tempelordens ungewarnt und plötzlich verhaften zu lassen und ihre Güter einzuziehen, so spiegelte man der Welt unerhörte Verbrechen der Juden vor, welche die Ausweisung veranlaßt hätten. Jeder Unbefangene erkannte aber an der unbarmherzigen Ausplünderung, daß dem rohen ' Gewaltakte nichts als Geldgier zu Grunde lag. Im Erfinden von Frevelthatcn und Fehlern der Juden waren die mittelalterlichen Blutsauger und Neidharte noch phantasiereicher. Es sei zugestanden, daß die Juden auch Mängel und Schwächen haben. Wie viel Schmutz fände aber die christlich-sociale Gesellschaft, wenn sie vor ihrer eignen Thüre kehrte? Prüfte man einmal all' die Skribler dieser Sorte in der Gegenwart, die tausend Lügen in die Welt Hinausposaunen, auf ihre Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit, selbst der Prediger Stöcker dürfte dann bei dem Resultate den Kopf schütteln. Ein Abgeordneter verlästert die Reformjuden, will aber den Hut vor dem orthodoxen Juden ziehen, die Grenzboten hingegen heben die Vorzüge der Reformjnden hervor, verabscheuen aber umgekehrt das mittelalterliche Talmudjudenthum, welches „wie aus einem ungeheuren (?) Reservoir in Gestalt von bettelnden und schachernden Hebräern in den Osten des Reiches eindringt" (bekanntlich auch eine statistisch nachgewiesene ungeheure Unwahrheit). Einer muß doch unrecht haben; thut nichts, der Jude, alt oder neu, wird verbrannt! Und dabei schreiben unsere Tageshelden so gelehrt über den Talmud, daß man glauben sollte, sie seien mit jeden: Punkte und Titelchen in demselben vertraut. In Wahrheit aber verstehen weder die Gelehrten der Grenzboten und ähnlicher antijüdischer Blätter, noch die Marr, Henri ei, Groussiliers eine Zeile im Talmud zu lesen oder zu übersetzen. Sie schreiben särnnitlich aus Rohlings Buch ab, welches selbst ein abgeschriebener Auszug aus der Talinndfälschung Eisenmengers ist. Auch der Gewährsmann Rohling kann den Talmud weder lesen noch übersetzen. Professor Delitzsch, ein strengorthodoxer protestantischer Theologe und Talmudkenner sagt: „Rohling hat das Albernste und Schmutzigste, welches ihm Excerpte älterer Polemiker boten, zusammengekehrt und diesen Kehricht giebt er für ein Bild des Talmuds aus." Eine andere systematisch betriebene Judenverfolgung, die mit der Vertreibung der Juden aus Spanien endigte, war die unter Ferdinand dem Katholischen. Das erste Auto da fü schmückten die jüdischen Ketzer (1481). Solche Schauspiele, da Tausende von Ketzern, Christen und Juden, auf dem Scheiterhaufen „zur Ehre Gottes" verbrannt wurden, haben sich seitdem dreihundert Jahre lang unzählige Mal wiederholt. Es wäre heute überflüssig, die Schrecken der Inquisition auszumalen, jeder Unbefangene wird es beklagen, daß der menschliche Fanatismus sich so sehr verirren kann und daß die angefachte Leidenschaft ungezähmt bis zur Brutalität sich versteigt. Auch da wurde in der Regel das Vermögen confiscirt, zum Theil dem Jnquisitionsgericht und zum Theil dem königlichen Fiscus zugewiesen. Was aber nicht oft genug eingeschärft werden kann, ist, daß eine Verfolgung oder Vertreibung der fleißigsten und betriebsamsten Bürger stets den Ruin des Staates herbeiführt. Ludwig X. sah den politischen Fehler, den Philipp der Schöne mit der Vertreibung der Juden gemacht hatte, wol ein, Handel und Wandel geriet in Stockung, Volk und Edelleute

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