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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-03-01 · Heft 3 (1.3.1881) · p. Seite 66

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 3 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 66 (sequence 10)
Language
German
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66 um so bemerkbarer machen. Bvrwürfe nach dieser Richtung hin - verrathen Unkenntniß oder absichtliche Bosheit. Ein anderer höchst schwerer, aber nnerwiesener nnd unbeweisbarer Vorwurf lautet: die Inden in Deutschland seien nicht deutsch gesinnt. Wie inhaltslos auch diese Behauptung sei, hat Moininsen bereits Herrn Treitschke klar vor Angen geführt. Die Geschichte wird darüber richten, ob nicht in neuerer Zeit Männer wie Mendelssohn, Friedländer, Bendavid, Jakobsohn, Salonion, Kosch, Frankel, Grätz, Geiger, Znnz, Steinschneider n. a. ebenso znin Ruhme der deutschen Nation, als auch zur Ehre ihrer Glaubensgenossen segensreich gewirkt haben. Es ist unbegreiflich, wie ein Historiker von dem Range des Herrn Professor v. Treitschke die Behauptung rechtfertigen kann, daß ein Deutscher, der sich zur jüdischen Religion bekennt, weniger deutsch gesinnt sei, als ein solcher, der einer der christlichen Confessionen angehört? Es kann nicht laut genug betont werden: Im Judenhaß zeigt sich eine große Portion Unehrlichkeit. Wenn ein gewissenloser Jude gegen die Lehren seiner Religion einen Christen ans Eigennutz betrügt, so ist dies gewiß auch in den Augen seiner Glaubensgenossen verwerflich; treibt er es zu arg, so wird er eingesperrt. Wenn aber Jngcnderzieher nnd Prediger Verleumdungen wissentlich mit dein Gewichte ihres Titels und Berufes verbreiten, mit lügenhaften Behauptungen das unreife Volk, Weiber nnd Kinder, täuschen, ist dies nicht noch viel verwerflicher? Zn den mit der Muttermilch eingesogenen Vorurtheilen gehören auch die Redensarten von der Feigheit nnd List der Inden. Hätten sie etwa früher zu Gunsten ihrer Peiniger tapfer kämpfen sollen? Mag sein, daß sie nicht gerne von den Raubrittern sich auspeitschen ließen. Aber für eine edle Sache kämpfen die Inden ebenso tapfer wie die Christen. Ware» ihre Voreltern, die Palästina eroberten, feige? Waren MvseS, Jvsna, David, Inda Makkabi, Bar Kochba innthlose Männer? Kann man Nachweisen, daß die jüdischen Soldaten im letzten Kriege nicht mit gleicher Liebe ihr Blirt für's Vaterland verspritzt haben wie ihre nichtjüdischen Genossen? Ist Levy jüngst in Frankreich wegen seiner Feigheit znm General ernannt nwrden? Jedes Volk in Sclavenkettcn ist mehr oder weniger feige nnd listig. Es wendet List gegen List, Schlauheit gegen Gewalt an. Verfahr man etwa gegen die Inden ehrlich? Wenn es der Kirche oder ihrem Schntzherrn Vortheil versprach, dichtete man ihnen die abscheulichsten Märchen an, sie schlachteten Christenkinder, um das Blut bei ihrem Passahfeste zu verwenden, sie schändeten Hostien, vergifteten Brunnen n. dgl. Wie Einige in ihrer Verblendung heute die Hnngersnoth in Oberschlesien, so hat man ihnen auch früher Pest und Hnngersnoth zur Last gelegt. Fand man einen Leichnam ans dem Felde, so wurden die Inden des Mordes beschuldigt. Der Religionshaß wurde absichtlich genährt, nnd als der Glanbenseifer erkaltete, da versuchte man nationale Antipathien künstlich anznfachen. Wollet ihr aufrichtig, vorausgesetzt, euer Vorwurf wäre einigermaßen berechtigt, die israelitischen Mitbürger zu tapferen patriotischen nnd redlichen Deutschen machen, dann werfet alle eingesogenen Vornrtheile ab, reißet alle trennenden Schranken nieder, öffnet ihnen alle ihnen noch verschlossenen Pforten, nnd sie werden keine Hinterthiiren ausspähen, keine Winkelzüge nnd Schliche nöthig haben. Erweiset euch ihnen als wohlmeinende Mitbürger, nicht als Stiefbrüder, nnd sie werden für das Wohl des Vaterlandes, das ihnen durch Feindseligkeiten nicht verleidet wird, mit Liebe und Treue eintreten nnd nicht minder tapfer als ihr kämpfen. „Ich zweifle,

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