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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-03-01 · Heft 3 (1.3.1881) · p. Seite 63

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 3 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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63 aus einem einzigen Worte: „Ich" und nur „Ich;" dann fort, fort aus unserem Gotteshaufe und aus unserer Mitte; dann bist du wohl im Rechte, bist ein Fremder unter uns und trägst einen Namen, der ein leerer Schall ist; dann hast öu einen jüdischen Gesichtsaüsdruck aber kein jüdisches Herz, keinen jüdischen Geist, kein jüdisches, lauteres und sittliches Streben! Denn wir Bekenner des Judenthums wollen sein und bleiben „ein Reich von Priestern," voll reinerund priesterlicher Gesinnungen „und ein heiliges Bolk," mustergiltig durch die Heiligkeit und Sittlichkeit des ganzen Lebens, zu unserem eigenen Wohle und zur Ehre unseres Gottes! Kegenwärligcs im Lichte der Wergangercheil. Von Di'. M. Dessauer, Coethen. Es ist eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete der Weltgeschichte, daß von Zeit zu Zeit trotz der riesigsten Fortschritte in Erkenntnis; und Wissenschaft immer von Neuem alte längst tobt geglaubte Wahngebilde und Vorurtheile gespensterhaft in die Gegenwart hineinragen, als wollten sie uns durch ihr schattenhaftes Wesen erst so recht die lichten Bahnen zeigen, auf denen wir unentwegt fortzuwandeln haben, um zu den höchsten Zielen menschlichen Strebens gelangen zu können. Wie könitte man es sich denn sonst erklären, daß in dem neunten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, das mit Recht das Jahrhundert der Humanität und Bildung genannt werden kann, Fragen überhaupt aufgeworfen werden können, die demselben zur Unehre und Unzier gereichen müssen? Nicht um die Juden zu vertheidigen sind diese Zeilen geschrieben, sondern um diese Erscheinungen, die auf manche Menschen verwirrend wirken könnten, im Lichte der Vergangenheit zu besehen und daraus die feste Zuversicht zu gewinnen, daß, wie sich auch die Dinge gestalten mögen, das Judenthum ungebeugt und ungebrochen auch aus diesen Stürmen hervorgehcn wird. Die erhabene Gottesidee hat das Volk Israel in seinem zweitausendjährigen Märtyrerthuni geistesfrisch erhalten. Gehöhnt, gehetzt, aus der Gesellschaft ausgestoßen, in dumpfe Ghettos eingepfercht, hat ihr Körper sich verkrümmt, aber ihr Geist sich gestählt und verjüngt. Trotz der unsäglichen Leiden und Religionsverfolgungen, die ein anderes Volk längst aufgerieben hätten, ist Israel unversehrt geblieben. Dieses Volk sah schon viele große und kleine Reiche, Länder und Völkerschaften untergehen, durch Unglück öder durch ihre eigene Schuld, aber der ehrwürdige Träger der Gottesidee ist zuin ewigen Dasein bestimmt. Wo sind die alten Feinde der Israeliten, die Amalekiten, die Philister, Edom und Moab? Das völkerbezwingende Rom, das unter seinem gewaltigen Tritte die Erde erzittern machte, ist durch seine Siege übermüthig gemacht worden, und seine Größe war sein Fall. Griechenland mit seinem anmuthigen Heidenthum, mit seinem Schönheitssinn und Knnstreichthum ist untergegangen. Das Byzantinische Reich ist durch die Zerrissenheit des christlichen Europas eine Beute der sich ausbreiteuden Osmanen geworden, aber Israel steht und wird bestehen, denn nicht auf Gewalt und Rohheit stützt sich seine Größe, nicht ans einseitige Pflege von Künsten und Wissenschaften, sondern auf seine Religion, die die edelsten Herzenssaiten nicht verstinimen, die sanftesten Seelenregungen nicht verwildern läßt.

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