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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-02-01 · Heft 2 (1.2.1881) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 2 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 52 (sequence 20)
Language
German
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52 behaupten wagen. Daß sie auch nicht vorzugsweise den Handel suchen, geht daraus hervor, daß sie von Anfang an, bis ans die Neuzeit mit Vorliebe die Beschäftigung mit Wissenschaften und Künsten gesucht haben, obwohl sie auch da fortwährend mit der Ungunst der Verhältnisse zu kämpfen halten. Wenn nun trotz des Vorwurfs der Arbeitsscheu seitens der Christen und der Beförderung des Handwerkes seitens der Juden dennoch die Hinneigung zur Betreibung des Handwerkes bei den Juden selten oder doch nicht so häufig ist, wie gewünscht wird, so müssen die Gründe hierfür gewichtige sein. Suchen wir dieselben zu erforschen. Zunächst ist es irrig, zu glauben, daß die Juden ausschließlich dem Handelsstande angehören. Abgesehen von den zahlreichen Handwerkern, Künstlern und Gelehrten, Literaten und Journalisten, Beamten, Justitiarien und Technikern sind auch viele Juden Fabrikanten, kleine und große, producirende Oekonomen oder sabricirende Industrielle, und diese sind entweder aus dem Handwerkerstande hervorgegangen, oder haben sich aus dem Kleinhandel emporgearbeitet. Wir leugnen auch nicht, daß abgesehen von der früheren Zeit, wo die Masse der Juden, theils aus Zwang, theils ans Gewohnheit, ausschließlich dem Handel und Schacher oblag, und wo es galt, die Berufsthätigkeit der Jugend in andere Bahnen zu lenken, um sie in das allgemeine Culturleben und die nationale Beschäftigung einzuführen, auch heute noch bisweilen eine gewisse Berechtigung dazu vorhanden ist, der Neigung zum Kleinhandel entgegenzuarbeiten und die Neigung zum Handwerk zu unterstützen. Jndeß darf man sich anch'nicht verhehlen, daß der Kleinhandel weder schädlich noch überflüssig ist. In der früheren Zeit beschränkten und erschwerten Verkehrs, war er noch nothwendiger und nützlicher, als heute; aber auch heute ist er noch erforderlich, um das Landvolk mit mancherlei Bedürfnissen des Comforts, des Wohllebens und der Bequenilichkeit, bekannt zu machen, denn dasselbe hat nicht immer Zeit und Gelegenheit, in den Städten zu kaufen und weiß in dieser auch nicht immer die richtigen Bezugsquellen aufzufinden. Lohnend ist der Kleinhandel noch immer, auch ohne Uebcrvortheilung; demoralisirend ist er auch nicht dem Principe nach, und vielseitig übertragen sich die Vorurtheile auf den Kleinhandel heute noch, welche man früher gegen den Handel überhaupt hatte. Die Verurtheilung des Handels gehört aber zu den überwundenen Vorurtheilen, da derselbe als ein nothwendiger und unentbehrlicher Faktor des Nationalwohlstandes erkannt ist und als solcher in gleicher Weise gilt, wie Production und Fabrikation. Massenhaft tritt übrigens der Kleinhandel wohl nirgends mehr auf, da die Landbevölkerung durch die Freizügigkeit gelichtet und die Verbindung zwischen Land und Stadt leichter und inniger geworden ist. Ohne nun solche Bestrebungen für die Beförderung des Handwerkes unter den Juden gänzlich abzuweisen, wo das Bedürfniß hierfür sich zeigt und in einzelnen Fällen Gebrauch davon gemacht werden soll und kann, gestehen wir doch, daß ein allgemeines Bedürfniß hierfür nicht vorhanden ist. Die Beförderung des Handwerkes unter den Juden ist eine praktische Frage. Wenn nun trotz aller Bestrebungen dafür durch Vereine, Stiftungen und Unterstützungen in alter und neuer Zeit die Sache auf Hindernisse stößt, so müssen praktische Gründe dagegen sprechen. In der That nehmen auch in der Christenwelt die Fürsprecher des Handwerkes ab. Wenn auch das Handwerk hier nicht ausstirbt, — entbehrlich ist es ja überhaupt nicht, — so wirkt hierfür theils die Gewohnheit, theils die Schwierigkeit in andere Bahnen einzulenken; aber lohnend wird das Handwerk, die ausschließliche Beschränkung auf Handarbeit,

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