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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-02-01 · Heft 2 (1.2.1881) · p. Seite 49

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 2 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 49 (sequence 17)
Language
German
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49 Verschiedenheit der Religion und die wie immer beschaffenen Meinungen eines Menschen, berechtigen uns nicht, ihn zu Haffen oder ihm zu schaden und entbinden uns auf keine Weise von der Erfüllung der allgemeinen Humanitäts¬ und Gerechtigkeitspflichten gegen ihn. — Es würde jeder Israelit die frevelhafteste Gottlosigkeit begehen, der heutzutage mitten unter humanen und gerechten Völkern lebend, deren Regierungen sein Leben und seine Habe beschützen, gegen dieselben die leiseste Spur sogenannter, ebenso antisozialer wie antireligiöser Gefühle nähren sollte. Er würde dem Gesetze Gottes, dem natürlichen sowohl als auch dem geoffenbarten zuwiderhandeln, das in den Humanitäts- und Gerechtigkeitspflichten nicht den geringsten Völker- und Glaubensunterschied andeutete". — Dem rationellen Theologen möge sich die Stimme eines der Mystik huldigenden Rabbiners anreihen. S. Klein in seinem: „Das Judenthum" (S. 82) sagt: „Derjenige, der Gott nachahmt, giebt sich nie dem verderblichen Wahne des Fanatismus hin; denn er lernt lieben, wie Gott liebt, dulden, was Gott duldet, er wird die Menschen lieben, nicht wann und weil sie beten wie er, sondern weil sie, gleich ihm, von Gott geliebt werden; weil sie, gleich ihm, die Geschöpfe und Kinder Gottes sind. Wie könnte derjenige, welcher Gott nachahmt, die hassen, welche Gott nicht haßt? wie könnte er diejenigen verfolgen, welche Gott nicht. verfolgt? Wie wird er, der in seiner Einsicht so schwach ist, es wagen, verwegen Hand an denjenigen anzulegen, der ihm das Unglück zu haben scheint, Gott zu beleidigen, wenn Gott selbst lieber verzeiht, als bestraft; wenn Gott selbst nicht den Tod des Sünders verlangt, sondern ihm Zeit läßt sich zu bessern und seine Gnade wieder zu erlangen, oder ihm zu Gunsten einer tugendhaften Nachkommenschaft, die von ihm abstammen könnte (B. Kama 38, b.), in seinen Schutz nimmt?,,— Geben wir auch einem streng orthodoxen, aber wissensfreundlichen Blatte das Wort. Der in Lyk in hebräischer Sprache erscheinende „Hamagid" (1877. Nr. 44.) enthält einen längeren Artikel, worin er die Denkfreiheit in Schutz nimmt und sich darüber wundert, daß Maimonides und Karo jene unduldsamen Bestimmungen gegen Freidenker und Abtrünnige (Epikuräer), welche er nur von den schlimmsten Verbrechern verstanden wissen will, in ihren Kodex aufgenonlmen haben. Er schildert den unwiderstehlichen Forschungsdrang und Wahrheitsdurst, der selbst mit Gefahr, die Seligkeit einzubüßen, sich in die Wissenschaft versenkt. Sprudeln doch dem Menschen aus dem Born der Weisheit weit höhere Wonnen, als aus Reichthuni und Ehre, um welche die Menschen so oft Leben und Seligkeit wagen. „Die Liebe zur Wissenschaft ist eine Flamme Gottes. Auch wenn der redliche Forscher irren sollte — Gott wird ihni verzeihen, wie er jedem Irrenden verzeiht. Eine Tochter Gottes ist die Weisheit und wer sich verirrt auf dem Pfade, sie zu suchen, ihm wird Gott vergeben." — In der die entgegengesetzte Richtung, die äußerste Reform vertretenden „Israel. Gemeinde- und Familienzeitung" (1880. Nr. 15.) drückt ein Rezensent gelegentlich der Besprechung eines Leitfadens für den Konfirmandenunterricht, den Wunsch aus, der Verfasser möchte in der zweiten Auflage auch folgende Frage einfügen: Frage: Wie hat der Jsraelite andere Religionsbekenntnisse zu betrachten? Antwort: Der Jsraelite hat die Pflicht, jedes Religionsbekenntniß, welches Tugend, Gerechtigkeit und Nächstenliebe lehrt, zu achten und zu ehren. Wir glauben unfern Artikel nicht passender abschließen zu können, als mit folgendem Gedicht von l>r. Sanders. (Findet sich im Jüd. Jahrbuch von Klein, 10. Jahrgang.) 4

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