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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-02-01 · Heft 2 (1.2.1881) · p. Seite 48

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 2 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 48 (sequence 16)
Language
German
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48 Rabbi Meir gab ein glänzendes Beispiel von Toleranz, indem er mit dem Ketzer Elisa ben Abujah vertrauten Umgang hatte, sogar seinen Unterricht genoß, nach dessen Tod für ihn betete und versicherte, auch er sei des ewigen Lebens theilhaftig. Die Äußerung: „Auch die Übertreter der Ritualgesetze sind voll guter Werke wie ein Granatapfel" war für die duldsame Gesinnung ein Anhalt, gegen rituelle Missethäter ein Auge zuzudrücken und der freisinnige Ausspruch: „Jeder der kein Götzendiener ist, darf Jude genannt, werden" trug den Keim der weitgehendsten Toleranz in sich. — Zeugt doch schon das Wort Gamaliels (Apg. 5, 38 — 39.): „Ist der Rath oder das Werk aus den Menschen, so wirds untergehen; ist's aber aus Gott, so könnt ihrs nicht dämpfen u. s. w.", daß selbst zur Zeit des ungebrochenen religiösen Zelotismus die duldsame Gesinnung sich vernehmen ließ. So fand denn die Neuzeit die Idee der Toleranz im Judenthum bereits heimisch und es war ihr nicht leicht in demselben Bürgerrecht zu erlangen, von ihm assimilirt zu werden. Die neuere jüdische Literatur, soweit sie nicht der obskuren Richtung angehört, bringt die Idee der Toleranz in ihrem vollsten Umgang in allen Variationen zum Ausdruck und weist jede Art von religiöser Unduldsamkeit aufs Strengste ab. Der Reigen wird eröffnet durch Moses Mendelssohn. In seinem ^Jerusalem" trat er in der ihm eigenen Schreibweise, worin logische Vollkraft durch gemüthswarme Innigkeit verklärt ist, gegen jede Art von Gewissenszwang und Kirchenzucht im Judenthum auf. Ein siegesfroher Held im Hirtengewande der Milde erlegte er den Goliath Unduldsamkeit und entriß ihm das Schwert des Banns, vor dein bis dahin der freisinnige Jsraelite zu zittern hatte. In seiner unwiderleglichen Ausführung finden sich die klassischen Worte: „Die göttliche Religion zückt kein Racheschwert, spendet kein zeitliches Gut aus; ihre Rechte kennen keinen Zwang, ihre Macht ist die göttliche Kraft der Wahrheit. Die Strafen, die sie androht, sind wie die Belohnungen, Wirkungen der Liebe. An diesen Merkmalen erkenne ich dich, Tochter der Gottheit Religion, die du in Wahrheit allein die seligmachende bist, auf der Erde, so wie im Himmel. . . . O, meine Brüder, folget dein Beispiel der Liebe, wie ihr bisher dem Beispiel des Hasses gefolgt seid. Wollet ihr gehegt, geduldet und von Andern verschont sein, so heget und duldet und verschont euch einander. Liebet, so werdet ihr geliebt werden." Vom Geiste Mendelssohns inspirirt, hat das lichtfreundliche Judenthum der Neuzeit rasch mit allen Resten mittelalterlicher Unduldsamkeit aufgeräumt*) und die jüdischen Theologen, Literatoren und Prediger wetteifern, wie bemerkt, den Geist religiöser Duldung zu verbreiten. „Ihre (der Religion) Wege sind liebliche Wege und alle ihre Pfade sind Frieden" lautet die Devise des Judenthums der Neuzeit und es beherzigt das Symbol, daß die Steine des Altares nicht mit dem Eisen behauen werden dürfen, weil das Eisen Krieg und Streit bedeutet, die Religion aber, deren Ziel der Frieden ist, jede Art persönlicher Anfeindung um ihretwillen verabscheut. Wir können unmöglich auch nur einen Theil der einschlägigen Äußerungen anführen und wollen uns nur auf die Anführung weniger beschränken. S. D. Luzzato (Israel. Moraltheologie 8 § 42. 47.) schreibt: „Die *) Die Israel. Synode zu Augsburg <1870) hat die oben angeführte rabbinische Bestimmung, welche rituelle Uebertreter nicht als Zeugen (bei Trauungen u. s. f.) zuläßt, einstimmig aufgehoben.

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