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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-02-01 · Heft 2 (1.2.1881) · p. Seite 43

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 2 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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43 Wir wollen für unsere Behauptung nur auf die Aiian, Albalchi, Qat<;a, auf die Akosta, Spinoza und Kohn Hinweisen. Doch klagen wir unsere Ahnen darum nicht an, brechen wir nicht den Stab über diese historische Intoleranz. Sind wir auch unnachsichtlich intolerant gegen jede Intoleranz der Gegenwart, so urtheilcn wir doch nachsichtig über die Vergangenheit, da wir sie, gemäß obiger Anseinandersetzung, als Konsequenz der ganzen mittelalterlichen Anschauung begreifen. -- Wir wollen hier nicht an demjenigen Ereigniß scheu vorbeihuschen, das die Wiege unserer Schwesterreligion bezeichnet, wollen das traurigste Blatt in diesem Kapitel nicht hastig überschlagen. Wir (und ich darf hier wohl im Namen der ganzen deutschen Jndenheit der Gegenwart sprechen) wir beklagen die Hinrichtung Jesil tief und schinerzlich, wir beklagen sie um so anfrichtigel, als wir seinen herrlichen Sittenlehren und Parabeln unsere volle Anerkennung, der Lauterkeit seines Charakters, seinem edlen hochherzigen Streben nngchcnchelte Verehrung zollen. Allein wir müssen sie mit demselben kausalen Maßstab messen, den wir an die Verurtheilung des Sokrates legen. Wir betrachten sie als die Folge derselben Verirrung, die viele Jahrhunderte später den Scheiterhaufen eines Giordano Bruno, eines Johannes Huß und vieler Anderer angezündet hat. Bezüglich der Intoleranz nach innen war das frühere Judenthum von dem gleichen Geiste beseelt, wie seine Zeit überhaupt. Aber nach außen? Hier hätten wir Gelegenheit, uns für die unserem eigenen Geständniß abgerungene Demüthigung reichlich zu entschädigen, mit frohem Selbstbewußtsein auf die tolerante Gesinnung hinznweisen, welche das Judenthum fast in allen seinen EntwicklnngSphasen gegen andere Bekenntnisse hegte. Allein wir sind von der Moral der Fabel von den drei Ringen so sehr durchdrungen, daß wir es auch hier verschniähenr uns ohne Weiteres stolz in die Brust zu werfen und auszurufen: Ich danle dir, Gott, daß ich nicht bin, wie dieser. — Kennzeichnen wir zunächst die Haltung des Judenthums gegen auswärtige Religionen. Der israelitische Staat, selbst im Zenith seiner Machtstellung, hat niemals einen andern Staat um der Religion willen bekriegt. Der Krieg mit den kananitischen Völkerschaften war lediglich der Feldzug eines hcimathlosen Stammes, um sich ein Land zu erobern. Mag man im Uebrigen über ihn denken, wie man will, die Religion war dabei nicht betheiligt. Man könnte allenfalls den Umstand in Betracht ziehen, daß den Israeliten eingeschärft wurde, keine Götzendiener im Lande zu dulden, um nicht von ihnen zum Götzendienst verleitet zu werden; allein zur Annahme der israelitischen Religion mit allen ihren Religionsgesetzen wurden sie keineswegs gezwungen oder veranlaßt. Ueberdies war es nicht der Polytheismus allein, was jene harte Maßregel hervorrief, sondern die sittlichen Gräuel, die damit verbunden waren, wie dies aus zahlreichen Stellen ersichtlich ist. „Die Propheten" schreibt S. D. Luzzato (Israel. Moraltheorie 1. Th. 8 43.) werfen in keiner Stelle der Heiligen Schrift den verschiedenen Nationen die Sünde des Götzendienstes vor, sondern einzig und allein die Ungerechtigkeit und die Unmenschlichkeit. Die Erde war zu Nvah's Zeiten von Gott verderbt, nicht weil die Menschen Götzendiener, sondern weil sie gewaltthätig und ungerecht waren. Ainos verkündet mehreren Völkern Asiens wiederwürtige Verhängnisse, zur Strafe der Sünden die er aufzählt, sämmtlich Ungerechtigkeits¬ und Unmenschlichkeitssünden. Die Niniviter entgingen dem angedrohten Untergänge ohne den Kultus der Götzen aufzugeben, blos weil sie ihre Handlungen besserten und den unsittlichen Wandel unterließen. Es ist daher klar, daß die

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