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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-02-01 · Heft 2 (1.2.1881) · p. Seite 39

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 2 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 Pie Toleranz und das Iudenißum. 8 Es giebt wohl kaum ein sichereres Sympton für die Lebensfähigkeit einer im Alterthum wurzelnden Institution, insbesondere einer Religion, keine bessere Gewähr ihrer unverwüstlichen Lebenskraft, als die Fähigkeit, von den idealen Säften einer fortgeschrittenen Kulturepoche ihren Organismus durchdringen zu lassen, die Fähigkeit das Licht einer helleren Kultursonne mit allen Poren einathmen zu können und von demselben gestärkt und neuverjüngt, ihre Wipfelkrone stolzer und majestätischer noch als zuvor zu erheben. Nur eine Religion, die sich mit den erprobten Kulturmächten der Zeit auf guten Fuß zu stellen weiß, ihre Ideen in sich aufnimmt und mit sich verwebt, wird getrost in die Zukunft blicken können und mit zuversichtlichem Gleichniuth von den Wellen der Zeitströmung sich umrauschen lassen, wenn diese auch manche ihrer Bestandteile hinwegspülen und in das Meer der Geschichte tragen. — Für diesen geistigen Stoffwechsel wird eine Religion um so mehr disponirt sein, wenn ihr historischer Boden bereits von Keimen der neueren Ideen befruchtet war. Mögen diese Keime immerhin von andern heterogenen Substanzen bis dahin stets zurückgedrängt, in ihrer Entfaltung gehemmt gewesen sein, sie werden, sobald der Trieb der Religion, mit einer fortgeschrittenen Kultur sich in Einklang zu setzen, erwacht, ihr Dasein manifestiren und die Gegenwart mit der Vergangenheit vermitteln. — Die religiöse Toleranz gehört zu den herrlichsten Ideen, ist eine der segensreichsten Errungenschaften der modernen Kultur. Ja, wenn wir die Gegenwart der Vergangenheit gegenüberstellen, so wird es vorzugsweise das Verhalten gegen abweisende Glaubensmeinungen sein, worin die Differenz beider Kulturepochen am markantesten sich ansprägt. Ist es doch die Unduldsamkeit, der Glaubenszwang, der Fanatismus, was dem Mittelalter jenen düstren, barbarischen Charakter verleiht, der die Phantasie schon beim Klang dieses Worts zusammenschaudern läßt, weil es die unheimlichsten Reminiscenzen erweckt. Religionskriege, Ketzerprozesse, Inquisition, ^uto-äu-te — diese Vorstellungen sind untrennbar verknüpft mit diesem Begriff, der eine so lange Strecke der Kulturlaufbahn bedeutet. Wie ein finstrer Kerker voll Moderduft und Leichengeruch erscheint es, aus welchen! der Genius der Menschheit in der Neuzeit erst erlöst wurde, um fortan in sonnigem Revier zu weilen, wiirzige Waldesluft zu athmen und an frischem Grün den Blick zu sättigen. Die Intoleranz des Mittelalters äußerte sich nach mannigfacher Richtung: nach außen, gegen die Bekenner anderer Confessionen, welche es durch Koaktion dem herrschenden Glauben zu unterwerfen sich vermaß und nach innen, gegen Häretiker und Religionsübertreter. In letzterer Hinsicht lassen sich wiederum zwei Species unterscheiden: die Intoleranz des Staats, der keine Abweichung von den herrschenden Glaubensnormen duldete und strenge Strafgesetze dagegen schmiedete und die private Unduldsamkeit, welche den Ketzer und Uebertreter von dem allgemeinen Wohlwollen, der Nächstenliebe, ausschloß, ihn dein Haß und der Verachtung preisgab, mochte er sittlich noch so achtbar sein. Wir sind gewohnt, die mittelalterliche Intoleranz als eine geschichtliche Erscheinung anzusehen, an der vorzugsweise die menschliche Böswilligkeit oder derselben verwandte verwerfliche Seelenbewegungen betheiligt waren, als Eruptionen der schlimmsten Triebe, die in der Menschenbrust schlummern. Sobald jedoch die Geschichte, uni über diesen betrttbsamen Zug der Vergangenheit zu Gericht

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