Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1881)
- Date
- 1881-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Plagiat begangen wurde, hinzuweisen und ihm daraus manches anzuführen, damit er sehe, wie Abraham von seinen Vorgängern behandelt wurde. Abraham, heißt es daselbst, hätte wegen unbefugter Operationsvornahmen an 300 Menschen, bei denen Verblutung Hütte eintreten können, eine zweimonatliche bis dreijährige Zuchthaus- und Festungsstrafe verdient. Abrahams lange prämeditirte Ermordung des Jsaac ist als vollführter Kindermord zu beahnden, die Rettung durch einen Engel kommt als Milderungsgrund nicht zu statten. Abrahain beging eine Jagdcontravention, denn er hatte auf Moria keine Territorialrechte und war noch viel weniger zur Exercirung der hohen Jagd privilegirt, bemächtigte sich aber dennoch sogleich eines Hirsches*) Die Geweihe beweisen, daß es ein männliches Thier war und dies könnte, wenn es in der Setzzeit geschehen wäre, einen Milderungsgrund abgeben, der aber wieder wegfällt, wenn man erwägt, daß er das Thier nicht übereilt schoß, sondern es kaltblütig fing und schlachtete, Er ist also ganz offenbar gemäß Jagdordnung von 1775 mit einer Geldstrafe von 200 Rthr. zu belegen. Auch über Jsaac Rebeka, Jakob und dessen Söhne kann Herr Dühring dort ganz possirliche Dinge Nachlesen, die er bei einer etwaigen neuen Auflage seines Buches ebenso gut anführeu könnte, wie besagten Handel mit Gott wegen der Stadt Sodom. Wir wollen jetzt vorläufig Dühring's Buch verlassen, indem wir auf seine weiteren Ausführungen noch zurückzukommen uns Vorbehalten, und nur noch erwähnen, daß er eine Masseutaufe der Inden für ein großes Unglück halten würde, weil die Getauften leichter in die Canäle der Gesellschaft eindringen können. Herr Prof. Th. Mommsen scheint in seiner Schrift „Auch ein Wort über unser Judenthum", deren Inhalt freilich auch sonst nicht zu Herrn Dührings Ausführungen stimmt, über diesen Punkt anderer Ansicht zu sein. Was Herr Dühring so sehr perhorrescirt, darin erblickt Mommsen die gründliche Lösung der angeblichen „Judenfrage". Herr Dühring mag sich beruhigen. Wenn uns, von welcher Seite auch immer, gerathen werden möchte, unserer Glaubensanschauung zu entsagen, um uns dadurch die rechtliche Freiheit oder überhaupt materielle Bortheile zu sichern, so werden wir aus solchen Beweggründen uns nie und nimmer hiezu verstehen können. Wenn mau auch dem Convertiten mit Achtung begegnen kann, der kraft einer neuen Ueberzeugung oder aus Verhältnissen, die in seelischen Zuständen ihren Ursprung haben, diesen Schritt gethan hat, so wäre es im jetzigen Augenblicke unehrenhaft undunwürdig, fahnenflüchtig zu werden und als Kaufpreis für das Unangesochtensein die Religion hinzugeben. Dies wäre ein Schacher mit der heiligsten Ueberzeugung, der uns geradezu der allgemeinen Verachtung preisgeben müßte. Da der allerdings nicht so gemeinte Rath des Herrn Prof. Mommsen kaum Jemanden dazu bestimmen würde, seine Religion preiszugeben, so dürfte auch für Herrn Dühring die große Gefahr der Massentaufen nicht weiter zu befürchten sein. *) Der Verfasser hat aji! mit ajal verwechselt, hat also ebenso wenig wie Herr Dühring int alten Testamente zn lesen verstanden.