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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-02-01 · Heft 2 (1.2.1881) · p. Seite 35

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 2 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 unbehaglichen Zustände erwuchsen, die in der Gegenwart ganze Völkergruppen umspannen, und sucht die Antwort überall, nur nicht da, wo sie nahe liegt, wo sie so leicht zu finden ist, wo sie so klar und unzweideutig sich uns darbietet. Wenn Religion, diese höchste ethische Lebensmacht, als ein Hirngespinnst hingestellt und aus solchen Anschauungen zubereitete Gedankenkost dem halbgebildeten Volke als Geistesnahrung verabreicht wird, dann können natürlich nur Egoismus, Kampf, Haß und Leidenschaft entfesselt werden; Friede, Humanität, Toleranz müssen dann als Ausgeburten einiger Schwachköpfe erscheinen, die noch an alten anerzogenen Thorheiten festhalten.' Nehmt der Menschheit die Religion und ihr Herz hört zu schlagen auf, sie >vird eine Leiche! Indem Dühring das Religiöse gänzlich negirt, gestaltet er die Judenfrage für jeden Ernstdenkenden auch unbewußt zu einer Christen frage, insofern als die gemeinsame Grundlage der nur durch Dogmen und äußere Symbole geschiedenen, aber sonst in ihren ethischen Gründen und Zielen übereinstimmenden Religionsbekenntnisse in Frage gestellt, ja völlig hinweggeleugnet wird. Es ist gewiß im höchsten Maße bedauerlich, daß solche falsche Anschauungen über Religion große Kreise innerhalb der Judenheit ebenso wie innerhalb der Christenheit krankhaft angefressen haben und daß oft Halbgebildete, die noch nicht an die Elemente des ernsten Denkens hinangelangt sind, für Religion und Ideal nur ein mitleidiges Lächeln haben. Aber um Alles! sind denn die Juden die Urheber dieser Corruption und haben sie sie nicht vielmehr in anderen Kreisen vorgefunden? in Kreisen, in denen die Religion wie von Dühring als etwas Ueberlebtes bezeichnet wurde, in Kreisen, in denen die Apostel des Materialismus den Idealismus lahmgelegt und daher nach einem einfachen unumstößlichen Gesetze von Ursache und Wirkung nur das Streben nach Geld und Genuß als die höchste Lebensaufgabe angesehen werden müßte? Manche Juden mögen diese Corruption, die ein allgemeines Zeitübel ist, sich angeeignet und in ihre Glaubensgemeinde zu deren Schaden hineingetragen haben, wie ja auch ein Theil der Christen das Gleiche gethan hat, aber die sind doch nicht die Repräsentanten der JudeuherN Diejenigen, die durch ihre leichtfertigen Preßerzeugniße das Volk irregeleitet, corrumpirt haben, sie mögen Juden oder Nichtjuden sein, sind schlecht und verdienen die ihnen zu Theil gewordene Verachtung. Diejenigen, die Ideen wie eine gemeine Waare behandelt, und durch ihr lügenhaftes Treiben die öffentliche Meinung vergiftet haben, die ihre Federn feil gehalten für das Gemeine und ihren Geist an die Tagesgötzen verkauft haben, für die haben wir kein Wort der Vertheidigung. Wenn nian sie uns aber als Juden vorhält, dann müssen wir sagen, sie sind Alles, nur nicht das. Innerhalb der jüdischen Glanbensgemeinde heben sie sich als theilnamslvs ab, als Feinde jedes idealen Strebens, gegen das sie sogar eine Bundesgenossenschaft mit reaktionären Elementen gerne eingehen, wenn sie dadurch höheres Geistesleben zerstören und vernichten können. Die von solchen Männern geleitete Presse, und wären selbe auch durchwegs dem jüdischen Stamme angehörig, ist keine jüdische, sie steht eher auf dem Standpunkte und im Dienste Dühring'scher Ideen und das Judenthum hat mit ihr und sie mit dem Jndenthum nichts gemein. Ein zweites Capitel des Dühring'schen Buches soll eine Charakteristik der Juden in Religion und Moral geben. Herr Dühring will die geschichtlich feststehende, von allen Forschern auf diesem Gebiete anerkannte Thatsache, daß das Judenthum die Urheberin des Christenthums .und somit der Religionen der neueren Culturlvelt ist, nicht anerkennen. Sollen wir mit ihm darüber streiten? 3*

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