Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1881)
- Date
- 1881-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 legen, da sie voll von Unklarheiten im Bezug auf das Wissen und die Auffassung und darum auch, wie sich das nicht anders erwarten läßt, voll von Ungeheuerlichkeiten in Bezug auf das Wollen, eher verwirrend als klärend wirken und bei jedem wissenschaftlich gebildeten, denkenden, vorurteilslosen Leser, der sich nicht durch manchmal an Einzelnen gut abgeschaute Charakteristik zu einem endgültigen Urteile über Gesammtheiten gefangen giebt, sich von selbst richten muß. Es sind zwei große Mängel, an denen das Dühring'sche Buch von Vorneherein leidet. Es geht dem Verfasser, der auf religionslosem Standpunkte steht, in der Beurteilung des Judenthums vollständig die dazu nötige historische Kenntniß ab, und er hat keinen oder falsche Begriffe iiber den Inhalt der jüdischen Lehre, die doch das eigentliche Wesen des Jndenthums ausmacht, wenn auch das Volk nicht immer ganz zur Höhe des vorschwebenden Ideals hinanreicht, wie das ja bei andern Religionsgemeinden auch nicht der Fall ist./ In einem ersten Capitel soll das gesellschaftliche Aufkommen der Juden in der Gegenwart behandelt werden, und gleich zu Anfang spricht Dühring ganz unverholen seinen Aerger darüber ans, daß man das Wort Jude im Allgemeinen zur Bezeichnung der Bekenner einer Religion gebrauche und nicht, wie er will, zu der der Angehörigen einer Race. Wohlgemerkt also! das jüdische Volk, das geniale classiche Volk der Religion, das Volk der Propheten und Psalmdichter, soll darauf verzichten, sein durch geschichtliche Processe und Entwicklungsphasen aller Art durchgegangenes geläutertes und gefestigtes Religionsbekenntniß mit dem Worte Judenthum zu bezeichnen, weil es ei» solches überhaupt nicht besitze; es soll vielmehr dieses Wort fortan in aller Munde nur zur Bezeichnung von hebräischen Racentrümmern, — denn von einer geschlossenen Race kann doch hier wohl nicht die Rede sein, — gebraucht werden. Ist aber nicht gerade das Gegentheil von dem, was Dühring behauptet, das Richtige? ist nicht gerade in Rücksicht der Religion die Judenfrage noch immer eine offene, deren Lösung der Zukunft anheimfüllt, insoferne als das Judenthum, wenn es zur Läuterung der positiven, historisch gegebenen Religionen kommen sollte, um einer Einigung der Gebildeten, die heute schon im Keime vorhanden, einen conforinen Ausdruck zu geben, als älteste Glaubensform, die ununterbrochen bis in die Gegenwart hineinragt, sicherlich ein gewichtiges Wort wird mitzuspcechen haben? Die Nation hat mit dem Jahre 70 n. Ehr. aufgehört, als solche zu bestehen; sie bildet nur den geschichtlichen Hintergrund, auf dem sich anfangs unser Religionsbekenntniß aufgebaut, aus dem cs sich herausentwickelt und über dem es sich besonders durch die Reformbewegüngen innerhalb des Jndenthums, durch welche es auf seinen wahren positiveil, von nationalen Existenzbedingungen unabhängigen Gehalt zurückgeführt wird, sich immer mehr erhoben hat. Der jüdische Gedanke soll in Wollen und Leben sich als ein Höheres, über Land und Nation Stehendes, darstellen und mit dazu beitragen, die Völker durch Liebe zu verbinden und die Verbrüderung der Menschheit in Wahrheit anbahnen zu helfen. Freilich für Herrn Dühring, dem vom Standpunkte der höheren Bildung Religion nur als eine Etiquette gilt, der ihren Hauptstoff nur aus Einbildungen über das außerweltliche Jenseits zusammengesetzt glaubt, für ihn giebt es überhaupt keine Religionsfrage, weil Religion ja nur Einbildung ist. Er kann die Menschen nicht anders als nur vom Standpunkt des Racenthums ansehen und nur Naturgesetzliche, nicht ethische, Prineipien sind ihm bei Beurtheilung von Menschen und Völkern maßgebend. Man fragt sich so oft in unseren Tagen nach Ursachen, aus denen jene