Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
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30 zunächst nach Venedig und erbat sich vom Staate eine der nahe gelegenen Inseln für die zahlreichen ausgewanderten Inden. Abschläglich beschieden, begab er sich nach Constantinopel und dann nach Kleinasien, wo er bald mit dem Kronprinzen Sc tim bekannt und bei demselben so beliebt wurde, daß er seinen unzertrennlichen Begleiter abgab. Diese Gunst soll sich soweit erstreckt haben, daß Selim nur Speisen essen wollte, die ihin Josef zubereitete und seinetwegen sich auch in die von den Sabbathgesetzen geforderten Erschwerungen fügte. Josefs hochstrebender, dabei aber nie den Interessen seiner Glanbeilsbrüder abgewendeten Geist fand bald ein angemessenes Feld der Thätigkeit. Er erhielt von Sultan Soliinan Stadt und Gebiet von Tiberias zum Aufenthalt und machte sich sofort daran, diese alte ehrwürdige Stadt aus ihrer Verfallenheit zu erheben. Ein Untergebener Josef's, Namens Josef Adr et, bekam mit einem Gehalte von 60 Aspern täglich die förinliche Ermächtigung zum Wiederaufbau der Mauern von Tiberias. Ein Ferman des Sultan befahl dem Pascha von Damaskus, dem genannten Adret hierbei in jeglicher Weise behülflich zu sein. In der That war ein energisches Einschreiten der bewaffneten Macht nöthig. Unter den Türken war die abergläubische Weissagung verbreitet, daß mit der Wiederherstellung der Mauern von Tiberias dem Islam der Untergang drohe. Nur mit Gewaltmaßregeln konnten die Türken gezwungen werden, den Ban nicht zu verhindern und die nöthige Beihülfe zu leisten. Bei den dabei vorkommendcn Umgrabungen wurde ein interessanter Fund gemacht; man fand unter einem großen Stein eine Treppe, die in ein altes, mit Marmorbildern gefülltes Kirchengewölbe führte, sowie drei Glocken, die aus der Zeit des letzten Königs von Jerusalem herrühren sollten und die nun zu Kanonen umgegossen wurden. Das Werk wurde gegen Ende des Jahres 1562 vollendet. Außerdem bemühte sich Don Joseph Nasi durch Hebung der Industrie dem Elend der Bewohner Palästina's abznhelfen; er ließ Maulbeerbäume pflanzen, um den Seidenbau zu fördern, und Wolle aus Spanien einführen, um mit den venetianischen Tuchfabricken coucurriren zu können. Mit der Thronbesteigung Selim II. (1566) erlangte Don Josef's Ansehen seine höchste Spitze. Er nahm an den wichtigsten Staatsverhandlungen Theil, leitete die auswärtige Politik der Pforte, knüpfte diplomatische Verbindungen an, die Niederlande gegen Spanien zum Widerstande aufzureitzen, und entwickelte dabei eine außerordentliche Gewandtheit und Klugheit. Selim belohnte den treuen und geschickten Diener reichlich, und übergab ihm zwölf Inseln des ägüischen Meeres, als Naxos, Paros, Velo, Santorino, Andros u. s. w. als Lehen, von denen er den Titel „Herzog"') führte und aus deren Einkünften er nur einen mäßigen Theil an den Sultan abznftthren hatte?') Ebenso gewährte er ihm das Recht der Besteuerung aller mit Wein beladenen Schiffe,' die das schwarze Meer befuhren, wodurch er eine Einnahme von 18000 Scudi jährlich hatte. Daß Selim (1570) den Venetianern die Insel Cypern abnahm, ist zum großen Theil deni Rathe und den Veranstaltungen Josefs zuzuschreiben; man erzählt sogar, Selim habe dem Don Josef den Titel eines „Königs von Cypern" 1) Es ist indes; falsch, wenn inan den Namen „Nasi" von Naxos oder von dieser hohen Würde ableiten will. Nasi ist Familienname, den Josefs Verwandte eben so führen. 2) In einem Ferman des Sultan an den Dogen von Venedig, dem das Siegel des Großvessiers bcigibruift war, heißt es von Josef: „Das Muster der Angesehenen, der fränkische Bey Josef Nasi."