Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
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29 wurden sie auf km Meere umhergeworfen, während welcher Zeit sie durch Entbehrungen aller Art viel zu leiden hatten. Als sie endlich in Pisa landeten, erwartete sie eine neue Noth. Die Franzosen, die auf dem Marsche nach Neapel Italien durchzogen, hatten Pisa besetzt. Sie plünderten und mißhandelten bei dieser Gelegenheit die Inden und erpreßten von den als reich verschrieenen Jachja's eine große Summe Geldes. Dina wußte sich vor einem Angriff auf ihre Ehre nicht anders, als durch einen Sprung aus dem Fenster — in einer Höhe von 20 Ellen — zu retten, der merkwürdiger Weise ohne Schaden für ihre Gesundheit blieb. Auch in Ferrara, wohin sich Joseph von da wände, wurde ihm unter dem Vorwände, er habe die Scheinchristen (Anusim) unterstützt, eine Summe von 7000 Goldstücken abgenommen. Bald nach ihrer Ankniift in Florenz, acht Monate nach ihrer Flucht aus Portugal, gebar Dina einen Knaben, der gleich seinem Großvater Josef genannt wurde. Der greise Dulder selbst starb nicht lange nachher. Von seinen drei Söhnen, sämmtlich wissenschaftlich gebildeten Männern, begab sich der Geinahl der Dina von Florenz nach Verona und von da nach Jmola. Von hier wurde er 151I> als Rabbiner nach Neapel berufen, kehrte 1540, als die jüdische Gemeinde aus Neapel ausgetrieben wurde, nach Jmola zurück und starb daselbst 1543. Seine grammatischen und poetischen Arbeiten sind verloren gegangen. — Der zweite Sohn, Salomo, ließ sich auf der Insel Rhodus nieder, wo er 1533 starb. — Der dritte Sohn, Meier, veranstaltete 1500 in Gemeinschaft mit seinen Brüdern die erste Ausgabe des Buches Knsari und starb ohne Nachkommenschaft im Städtchen Avilona 1.530. Der bekannte Geschichtsschreiber, Gedalja Jach ja, war der (vor 1523) geborne Sohn des vorhin erwähnten, in Florenz zur Welt gekommene Josef'), also ein Urenkel des aus Portugal geflüchteten Don Josef Jachja. III. Dan Joses Rost, gerzols von Zlaxao. Eine der interessantesten jüdischen Persönlichkeiten des sechzehnten Jahrhunderts ist ohne Zweifel Don Josef Nasi. Portugiese von Vaterland, gehörte er zu der großen Zahl Scheinchristen, die durch das äußerlich abgelegte Bekenntniß zum Christenthum sich den Aufenthalt in Portugal erkauften, bis eine günstige Gelegenheit sich bot, mit dem Vaterlande zugleich die ungern getragene Maske zu verlassen. Als Christ Inan Miquez genannt, kam Josef zuerst nach Antwerpen, wo er sich die Gunst der ersten Männer wie auch der Königin Maria erwarb. Ein Liebesverhültniß mit einem reichen jüdischen Mädchen, das von den Verwandten des letzteren nicht gebilligt wurde, soll Veranlassung gewesen sein, daß Josef sich mit seinem Bruder, begleitet von seiner Geliebten, von Antwerpen entfernte, um sie anderswo zu heirathen.'') Er ging ‘) Verfasser des religions-philosophischen Werkes Tora Or lBologna 1538. 4), dessen beide folgenden Thcile De rech Hajim und Ner Mizwa von der Inquisition verbrannt wurden; er selbst starb 1593. -) Die Nachrichten über dieses Berhültniß sind dunkel und zum Theil sich widersprechend. Nach Einigen hätten Josef und sein Bruder Samuel (später Moses genannt) zwei Schwestern zu Frauen gehabt und mit beiden an 300000 Dukaten nnd Kleinodien von nicht geringem Werth erhalten. — Die Frau Josefs, von der weiterhin die Rede sein wird, scheint eine zweite Frau gewesen zu sein, da deren Mutter, Donna Gracia Mendesia, die zugleich Josess Großmutter war, schon früher ihren Wohnsitz in Constantinopel hatte nnd als eine eifrige und freigebige Beschützerin jüdischer Studien gerühmt wird.