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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-01-01 · Heft 1 (1.1.1881) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 1 (1.1.1881)
Date
1881-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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27 Auf Samuel folgte in der Würde eines Vesir und Nagid sein Sohn Josef, der an trefflichen Eigenschaften seinem Vater nicht nachstand; nur daß er im Glanze erzogen, nicht dessen Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit geerbt hatte. Er trug fürstliches Gepränge zur Schau, und wenn er neben den, Könige Badis zu Pferde saß, konnte man zwischen der Kleidung des Fürsten und der des Ministers keinen Unterschied bemerken. Er war in der Thal mehr Herr als der König selbst; er beherrschte diesen, der fast immer betrunken war, vollständig, und damit der Fürst nicht versuchen möchte, sich seiner Herrschaft zu entziehen, hatte er ihn mit Spionen umgeben, welche ihm jedes seiner Worte hinterbrachten. Uebrigens war er nur dem Namen nach Jude. Wenigstens sagte man, er hange ebensowenig an dem Glauben seiner Väter als an irgend welchem anderen. Er scheint die jüdische Religion indessen nicht offen angegriffen zu haben; aber von der Religion Muhamed's erklärte er öffentlich, ihre Lehren seien absurd, und er scheute sich nicht, selbst über Verse aus dem Koran seinen Spott zu ergießen. So hatte Josef Ha-Nag!d durch seinen Stolz und seinen Hochmnth, durch seine irreligiöse Richtung, durch seine geringe Rücksicht auf Recht und Herkommen die Araber, die Berbern und sogar die Juden gekränkt. Er wurde verschiedener Gewaltthaten beschuldigt und machte sich eine Menge Feinde, unter denen ein arabischer Fakih, Abu Ischak von Elvira, der erbittertste war. Dieser hatte sich nach einer sehr bewegten Jugend und nachdem seine Hoffnungen durch Josef vernichtet worden waren, der Frömmelei in die Arme geworfen und veröffentlichte boshafte Gedichte gegen Josef und dessen Glaubensgenossen. Die Wirkungen blieben nicht aus; unter dem Vorwände, Josef wolle das Reich an Motasem, König von Almeria, verrathen, rotteten sich die Berbern zusamnien und stürmten den königlichen Palast, wohin sich Josef geflüchtet hatte. Um ihrer blinden Wuth zu entgehen, flüchtete sich Josef in eine Kohlenkammer und schwärzte sein Gesicht, um sich unkenntlich zu machen; aber er wurde entdeckt, erkannt, getödtet und gekreuzigt. Auch über die andern Juden Granada's fiel der wüthende Pöbel her, tödtete und plünderte Alles; gegen 4000 Menschen fielen als Opfer des fanatischen Hasses (30. December 1066). Josef's Frau, die Tochter des bekannten R. Riss im, flüchtete nach Lucena, wo die jüdische Gemeinde ihr bis zu ihrem Tode ehrenvollen Unterhalt gewährte. Auch sein Sohn A s a r j a fand daselbst gastliche Aufnahme bei Jsak ibn Giat, starb aber eines frühzeitigen Todes. Ein Theil der nach allen Seiten hin verstreuten kostbaren Bibliothek des Samuel Ha-Nagid ging in den Besitz des Jsak Albalia über, der 1094 in Granada starb. II. Don Josef b. David 6. Safomon Jachja. Die Vertreibung der Juden aus der pyrenäischen Halbinsel, vom Jahre 1492 ab, kann in ihren Folgen gewissermaßen der kaum vierzig Jahre vorher erfolgten Auflösung des byzantinischen Reiches an die Seite gestellt werden. Wie hier die große Anzahl den vor der hereinbrechenden Barbarei des Ostens flüchtenden Gelehrten den klassischen Studien in Mittel- und Westeuropa einen neuen Schwung gab, so war es dort die von dem schonungslosen Fanatismus des Westens gejagte Schaar, die nach der entgegengesetzten Seite hin fruchtbaren Samen in Menge ansstrente und der jüdischen Welt in den ostwärts gelegenen Ländern eine neue Gestaltung verlieh. Italien war es vorzüglich, wo die

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