Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
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26 theilte sie unter unbemittelte Gelehrte; die Synagogen Jerusalem's versah er mit Oel. Trotz der ausgedehnten Regierungsgeschäfte, die ihm oblagen, fand er Zeit, sich ans dem Gebiete der jüdischen Literatur selbstthätig zu zeigen; er ragte als vielseitiger Gelehrter und auch als Dichter hervor. Leider ist der größte Theil dessen, >vas er geschrieben, verloren gegangen. Er schrieb — einer der ersten — eine historische und sachliche Einleitung in den Talmud, von der ein Theil manchen Talmudausgaben beigedrnckt ist. Ein Gedicht, das er einst dem König Chabbus überreichte, bestand aus sieben Strophen, deren jede in einer anderen Sprache verfaßt war; ein Gedicht war an seine Feder gerichtet, der er sein Glück verdankte. Drei seiner Schriften führten die Namen: Ben-Tehillim, Ben-Mischte, Ben-Kohelet und waren nach dem Muster der entsprechenden biblischen Bücher gearbeitet. Einige Proben aus seinem Ben-Mischle mögen ein Bild dieses Spruchbuches geben: Wenn deinen Ruhm die Welt verkündet, Merk auf, ob auch ihr Wort begründet; Und wenn man unverdient dich ehrte, So mache, daß verdient es werde. Dieweil es grün noch ist, magst du das Stämmchen neigen; Den trocknen Balken wirst du nimmer beugen. In Frieden lieber trocknes Brod als Fleisch und von Gefahr umdrängt; Und Eins durch redlichen Erwerb gilt mehr als Tausende geschenkt. Was könnte Gutes sein am Leben, Wenn, was ich heute Hab' gegeben, Nicht über Gestriges sich kann erheben. Willst reichen Frieden du erbeuten, Leg' deiner Lust des Wartens Zügel an; Du mußt mit deinen! Herzen streiten, Als wär's mit Lanz und Schwert ein Kriegesmann. Ans Deinnth sprießet Menschenliebe, Und Ruhe aus Genügsamkeit; Und wer der Herr ist seiner Triebe, Daß er vor Spöttern Schweigen übe, Er erndtet Freud' und Heiterkeit. Ans steigt zur Höh' der kluge Mann, Hinab der Narr zur Niedrigkeit; Doch Menschenklugheit hilft nur dann, Wenn Gott auch seine Hülfe leiht. Schweigst du, so kannst du noch Reden nach dem Schweigen; Redest du, so kannst du's nicht Ungesprochen machen. Wohl sprechen für das Dasein Gottes Wunder, wie das Spalten des Schilfmeeres, das Stillstehen der Sonne und des Mondes; aber der sprechendste Beweis ist die Hochachtung, die Alle für den wahrhaft Redlichen empfinden.