Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
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25 die von den moslimischen Schriftstellern mir mit frommem Schaudern angeführt werden: „Der du in beitter Person alle guten Eigenschaften vereinigst, welche Andere nur zum Theil besitzen, der du der gefangenen Generosität die Freiheit wiedergegeben hast, du bist eben so erhaben über die freigebigsten Männer des Morgen- und des Abendlandes, wie das Gold erhaben ist über das Kupfer. Dast doch die Menschen die Wahrheit vom Jrrthum unterscheiden könnten! dann würden sie ihre Lippen nur auf deine Finger drücken. Anstatt des Ewigen Wohlgefallen darin zu suchen, daß sie den schwarzen Stein zu Mekka küssen, würden sie deine Hände küssen; denn sie sind es, welche das Glück spenden. Durch dich habe ich hienieden Erfüllung meiner Wünsche gefunden und ich hoffe, daß ich durch dein Verdienst auch droben erhalten werde, >vas ich wünsche. Wenn ich bei dir und den deinigen bin, bekenne ich offen die Religion, die mir vorschreibt, den Sabbat zu heiligen, und wenn ich bei meinem eigenen Volke bin, bekenne ich sie wenigstens heimlich." Als Staatsmann vereinigte Samuel mit lebhaftem und Hellem Verstände festen Charakter und ungewöhnlichen Scharfsinn. Für gewöhnlich sprach er wenig und dachte viel — eine wichtige Eigenschaft für einen Diplomaten. Er benutzte alle Umstände mit stannenswerther Umsicht; er beurtheilte die Charaktere und Neigungen der Menschen sehr richtig und erkannte die Mittel, sie vermöge ihrer Schwächen zu beherrschen. In de» prächtigen Sälen der Alhambra zeigte er sich so heimisch, als ob er im Schoße des Luxus geboren worden wäre. Niemand führte das Wort mit so viel Eleganz und Gewandtheit; niemand war in der Unterhaltung so liebenswürdig und gewinnend, so hinreißend durch den Schwung der Rede, so überzeugend durch seine Argumentation. Und dennoch — eine seltene Erscheinung bei denen, die durch eine plötzliche Wendung des Glückes zu Ueberfluß und Ansehen erhoben werden — hatte er an sich nichts von der Eingebildetheit eines Emporkömmlings, nichts von dem unverschämten und thörichten Dünkel, der gewöhnlich Reichgewordenen eigen ist. Wohlwollend und liebenswürdig gegen Jedermann, besaß er zudem die wahre Würde, welche auf Natürlichkeit und Anspruchslosigkeit beruht. Weit entfernt, sich seiner früheren Lage zu schämen und sie verbergen zu wollen, rühmte er sich ihrer vielmehr und flößte durch seine Einfachheit sogar seinen Feinden Achtung ein. Als nach dem Tode des Chabbus (1037) Thronstreitigkeiten unter den Söhnen desselben, Badis und Boluggin, eintraten, stellte sich Samuel auf Seiten des Ersteren und behielt seine hohe Stellung bis zu seinem 1055 erfolgten Tode. Indes) wäre der Name Samuel Ha-Levi's wahrscheinlich der Vergessenheit anheimgefallen, wenn er nicht das Ansehen und die Macht, die ihm geworden, zum Besten seiner Glaubensgenossen verwendet hätte, dem Beispiele Mordechai's folgend, von dem es am Ende des Buches Ester heißt, daß er für das Glück seines Volkes besorgt war und stets das Wort für das Wohlergehen seiner Stammesgcnossen nahm. Schon 1027 war Samuel zum Nagid (weltliches Oberhaupt) aller Juden Andalusiens ernannt worden. Sein Haus war ein Sammelplatz von Gelehrten und Dichtern, die bei ihm gastfreundliche Aufnahme und Unterstützungen fanden. Aber er dehnte auch seine Wohlthaten weit über das ihm untergebene Gebiet aus; seiner Hülfe wurden die Gelehrten Nordafrika's, Siciliens, sogar Babyloniens, theilhaft. Er kaufte Exemplare der heiligen Schrift und des Talmud, ließ dergleichen auf seine Kosten abschreiben und ver-