Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 entschloß sich der Gesandte, die Juden zu empfangen. Als diese ihm jedoch das betreffende Schriftstiick übergeben wollten, verlangte er eine mündliche Antwort. Erst auf die Einwendung der Juden, daß sie „schlechte einfältige Leute" seien, welche ihre „Notdurft" nicht in der Weise mündlich wie schriftlich vorzutragen im Stande seien, ließ er sich herbei, das Schriftstück zu übernehmen. Er las cs und stellte es ihnen sofort zurück mit dem Bemerken, daß es lauter alte Sachen und nichts neues enthalte, und entließ sie. Aber noch am selben Tage, 5 Uhr Abends, ließ Lintzing den jüdischen Vorstehern sagen, daß sie ani andern Tage Morgens wieder bei ihm erscheinen. Die Juden kamen dieser Aufforderung nach und Lintzing fragte sie, ob sie zu keinen« andern Resultate als Tags vorher gekommen seien, was er um so dringender erfahren wollte, da er mit der samstägigen Post (am 27. September) dem Kaiser Bericht senden wollte. Als die Juden diese Frage verneinten mit dein Bemerken, daß sie ohnedies ihrer Obrigkeit, dem Frankfurter Magistrat, viele Steuern zu entrichten haben, erwiderte ihnen der kaiserliche Gesandte, daß er sich dann genöthigt sehen werde, zur Execution zi« schreiten. An demselben Tage, am 26. September, richtete der Kaiser in Folge Anrathens des Reichshofrathes ein Schreiben an Lintzing, in welchem er sich mit dessen Vorschlägen vom 25. August eilwerstanden erklärte, zugleich wurde Lintzing aufgefordert, die zu erlangende Copie des Verkailfsbriefes von Carl IV. einzusenden. Von gleichem Dat««m erging vom Kaiser ein Schreiben an die Stadt Frankfurt. Dasselbe lautete: Leopold re. Euch ist numnehr bekandt worden, waß wir dem tit. Vnsserem Rhrath n. lieben getrewen Joh. Fried. Bar. v. Linzing vor Verrichtung und gcschäft wegen der Judenschasft in Vnßer und des hepl. R. Statt Fft. gdst. auffgetragen haben u. a««ch zu fleißig u. richtiger derselben beobacht u. Vollziehung von nöthen sein will, daß er ein u. ander Juden, wie und wo er es der sach erhaischender notturft und Vmbständen nach befinden wird, vor sich erfordern u. dieselbe über ein u. anders Verhör. Alß ist uns. ernstlicher Befelch hiermit, daß ihr obgedachten Ans. Rhrath Joh. Fried. Bar. v. Lintzing alle und jede Juden daselbst welche er verlangen wird ohne einiges Unterschied außnahme od. praetext wie der immer sein könne oder «nöge in der Zeit'««, wohin er null unweigerlich sistirt vorstellt u. sonsten in allem willig an die handt gehet. Hiervon beschicht Bnß. ernst und endlicher Will und Meinung und wir sindt Euch mit rc. Wien, d. 26. Sept. 1684. Hierauf wurden die Vorsteher der Juden zum kaiserl. Gesandten für den 24. Oet. 1684 vorgeladen. Wir haben das höchst interessante Protoeoll dieser Verhandlung in Löw's Ben Chananja 1858 S. 464 wörtlich veröffentlicht. Wir geben hier eine Analyse desselben. 1. Die Inden sollten angeben, wie viel sie, falls sie die kaiserliche Ungnade vermeiden wollen, an Türkensteuer leisten wollen? Die J««den antworteten, sie Hütten den Rat gebeten, sich für sie beim Kaiser zu verwenden und müßten die Antwort abwarten. 2. Sollten die Inden angeben, ob sie dem Rat V- "/« Türkensteuer gegeben. Antwort: Sie haben wol ‘/a °/° gezahlt, ob dies jedoch Türkensteüer war, wissen sie nicht.