Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 Vorsteher sich so oft zu ihm, dem kaiserliche» Gesaudten, begeben, als dieser es verlangen würde, Die Depntirten nahinen diese Mittheilnng ad referendum für die nächste Magistratssitznng; erwähnten jedoch, daß die Juden fast durchgehends arme, unvermögliche Leute seien. Lintzing erstattete am 25. August über diese Angelegenheit Bericht an den Kaiser und fügte folgendes hinzu: Es sei ihm gelungen eine Cvpie des Versatzbrieses Carl IV., der sich nicht mehr in den Archiven befinde, zu erlangen (wir werden denselben mitzutheilen Gelegenheit haben und auch in welcher Weise Freiherr von Lintzing zu demselben gelangte), er habe ferner erfahren, daß die Frankfurter Jndenschaft dem Magistrat jährlich 50 bis 40,000 fl. an Steuern leiste. Er »volle cs sich daher angelegen sein lassen, die Suinme genau zu erfahren und da es scheint, daß die Inden gegen ihre Privilegien (genannt „die Stätigkeit") Jurisdiction üben tden Inden stand nämlich mir zu, über Civil- und nicht über Criniinalangelegenheiten, die Inden betreffen, zu entscheiden) so konnte man sie »vegcn angemaßter Rechte bestrafen. Schließlich schlügt Lintzing vor, von den Inden statt fl. 100,000, 100,000 Thaler zu verlangen. Dieser Vorschlag »vnrde folgendermaßen begründet: 1. die Juden in Frankfurt seien sehr zahlreich, 2. habe man im Jahre 1663 von den Juden IM,000 Thaler verlangt und nach langen Verhandlungen gaben sie ungefähr 15,000 Thaler, »venu man jetzt nur 100,000 fl. verlangte, so rvürde' »nan schließlich noch »venigcr erhalten. Am 20. August erschienen die Depntirten des Magistrates bei Lintzing und erklärten, daß sie trotz fleißigen Nachsuchens den Verkaufsbrief Carl IV. nicht gefunden haben, da die Stadt durch wiederholte „innerliche" Unruhen in Confusivn gerathen sei. Was die Juden betreffe, so wollen sie gern an die Hand gehen. Lintzing bemerkte hierauf, daß es ihnen als Creditoren obliege den Verkaufsbrief herbeiznschaffen. Falls sie dies nicht bald zu Stande bringen, so konnten sie mit der kaiserlichen Ungnade „angesehen" werden. Um rasch zum Ziele zu gelangen, beschick» Lintzing die Vorsteher der Juden zu sich und machte ihnen bemerklich, daß selbst der ärmste geistliche Stand Beiträge zur Türkensteuer leiste; um so mehr müßten sie es t'hun, da sie ein ansehnliches Vermögen besitzen, und »volle er dann ihre Devotion und Willfährigkeit dem Kaiser rühmen, »vidrigenfalls aber ihren Ungehorsam und Widerspenstigkeit auf das schärfste anklagen »i»»d gegen sie »nit Exekution und Zwaiigsinitteln verfahren. Die J»»den »viesen zunächst darauf hin, daß sie unvermögend seien und hätten sie überdieß den» Magistrate bedeutende Steurern zu entrichte»». Sie baten daher um einen Aufschub von 4 Wochen, um während dieser Zeit ihre Privilegien und Freiheitsbriefe a»»fz»»s»»chen und zu berathen, wie und in »velcher Weise sie de»» gestellten Anforderungen genügen könnten. Lintzing gewahrte ihnen einen Termin von 8 Tage»», er hielt jedoch die ihm geinachten Mittheilungen blvs für Ausflüchte und behauptete in dem diesbezüglichen Bericht an den Kaiser von» 9. September, daß es in Frankfurt 80—90 Juden gäbe, welche ein Vermögenvon 20,OM bis 60,OM Thalern haben. — An» 24. September ließ Lintzing den jüdischen Vorstehern sagen, daß sie bei ihm am 25. nn» 8 Uhr Morgens erscheinen. Letztere fanden sich zur bestimmten Stunde ein, doch wollte sie Lintzing nicht empfangen, angeblich »veil er zu sehr beschäftigt sei und verlangte, daß sie ihm die gefaßte Resolution übermitteln; doch die Juden wollten dieselbe persönlich überreichen. Eirdlich