Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 Dollmetsch Dieiiste und wer zählt die Wohlthciten, die er in dieser seiner Stellung im Stillen an seinen unglücklichen Stammesgenossen geübt hat! Wahrlich die Gunst der Römer allein wirst durchaus noch kein schlechtes Licht ans Josephns, denn auch dem Nabban Jochanan ben Sakkai wurde dieselbe zu Theil, weil inan wußte, daß'er zum Frieden mit Rom ermahnte, und nur darum konnte er sich Jamnia und seine Weisen erbitten. Josephns erhielt später die Freiheit, zugleich auch das römische Bürgerrecht und den Familiennamen Bespasianus Flavins. In den lebten Jahren seines Lebens hielt sich Flavins Josephns in Rom auf und oblag mit Ernst und Eifer seinen Studien, denen wir die Kenntniß eines großen bedeutungsvollen Zeitraumes der jüdischen und christlichen Geschichte verdanken. Es ist ein Glück zu nennen, daß Josephns sich bei Jotapata nicht selbst getödtet hat, um bei der Nachwelt als Patriot zu gelten, ein Gliick, daß er das Schwert mit der Feder vertauschen mußte, denn er war ein tüchtiger Feldherr ans dem Schlachtfelde der Gedanken und errang da für sein Volk Sieg auf Sieg. Josephns ist als Apologet des Judenthnms unübertroffen und alle seine Schrifteil sind von deiii Gedanken getragen, das Judenthum zur Anerkennung zil bringen und zil verherrlichen. Die wichtigste Quelle für den römisch-jüdischen Krieg sind seine eigenen sieben berühmten Bücher hierüber, ein Werk, welches nrspünglich in syrochaldaeischer Sprache abgefaßt war. Außer dem unschützbaren Werthe, den dieses Werk für Jiidenthum und Ehristenthum hat, ist es nach Niebnhrs maßgebender Ansicht neben Cäsar's Commentarien das lehrreichste Werk über römisches Kriegswesen. In seinen zwei und zwanzig Büchern jüdischer Alterthümer ans dem Jahre 94, seinem Todesjahre, behandelt er die jüdische Geschichte von der ältesten Zeit bis ans Neros Tage. Er hat zum ersten Male mit seltener Meisterschaft in diesem Werke auch die biblische Geschichte behandelt. Er paraphrasirt und legt die Bücher zugleich aus. In der Bibel weggelassene Zeitbestimmungen werden ergänzt, der Zusammenhang der Begebenheiten glücklich angedeutet, übriggelassene Lücken allsgefüllt, dunkle Parthien anfgehellt und die Bibel in ihrem Zusammenhänge mit der allgemeinen Weltgeschichte, ans der er treffende Parallelen herbeizuhvlen versteht, vorgeführt. Häufig finden wir bei an Wunder gräuzenden Mittheilnngen der Bibel bei Josephns den charakteristischen Satz „Möge übrigens hierüber jeder denken, wie er will." Bei der Schilderung des ersten jüdischen Königs Saul durchschaut er glücklich den gegnerischen Standpunkt des Schriftstellers, der sichtlich bemüht ist, seinen Charakter zu entstellen, und mit einem Federstriche befreit er Sauls Bild aus der subjectiven Auffassung des Geschichtsschreibers. Daß Mose einen Aegypter getödtet, übergeht Josephns mit Stillschweigen, und Mirjam wird bei ihm nicht aussätzig, denn letztere Mittheilnng hätte nur alten Bornrtheilen, die durch den ägyptischen Geschichtsschreiber Manetho verbreitet worden sind, neue Nahrung gegeben. Den Knaben, den der Prophet Elia zum Leben erweckte, läßt Josephns nur w i e tobt, nicht tobt liegen, und darum auch nur gesund und nicht lebendig werden. Aus einem Engel, der Elia erweckt haben soll, macht Josephns ein Geräusch, und in den Himmel läßt er Elia auch nicht fahren. Auch läßt er durch das mancher Erzählung angehängte Wörtchen soll oft sein Bedenken und Zweifeln durchschimmern. Josephns Alterthümer sind eine unerschöpfliche Fundgrube des Wissens mtö dazu ist die Sprache und Darstellung