Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 1 (1881)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Eine Flucht aus unerquicklichen unbehaglichen religiösen Zuständen, bei denen das Geinüth leer ausging und ohne Anregung blieb, bedeutet das Essenerthum, dem Josephus auch eine Zeit lang angehörte und ans dem später theilweise auch das Christenthum hervorgegangen ist. Eine historische Parallele für die Sektenbewegung innerhalb des Judenthums in den Tagen des Josephus bildet später der Karaismus in seinem Gegensätze zu dem Talmndismus und der besonders in östlichen Ländern weit um sich greifende Chassidismus. Mit einem solchen ungefähren Bilde seiner Zeit, seines Volkes und seiner Umgebung kani Josephus, nachdem er reiche Gesetzeskenntniß erlangt hatte und nachdem er sich fleißig mit der römischen und griechischen Literatur befaßt hatte, ini Jahre l>7 nach Rom. Josephus selbst sah kein Glück für die Juden in deren nationaler, sondern in deren geistiger Weiterentsaltung. Er mußte darum auch an dem Pharisäismus, in welchem die Idee der Religion zu sehr gegen die peinliche Hebung der Satzungen zurückgetreten >var, innerlich keinen Gefallen gefunden haben, wenn er auch äußerlich sich zu ihm hielt. Der Sadducäismus, der in seiner Cvnscquenz zum Bnchstabendienst führen mußte und der zudem Stolz und Hvchmnth erzeugte, hatte für ihn auch nichts Anziehendes und gar für essäische Schwärmereien war er eine viel zu philosophisch angelegte Natur. Josephus hatte das Streben, das Judeuthum auf seinen Geist und auf seine Geschichte zu stützen und besonders waren sein Eifer und seine Thätigkeit darauf gerichtet, den Römern und Griechen ihre falschen Vorstellungen, die Quellen ihrer gehässigen Vorurtheile und Angriffe gegen Juden und Judenthnm, zu nehmen nnd dies konnte nur durch die jüdische Wissenschaft geschehen, die auch heute einzig und allein das letzte Wort zu sprechen haben wird, weil sie allein nur im Stande ist, lügenhafte Angriffe gründlich abzuwehren und in ihr leeres Nichts znrückzuweisen. In diesem Streben, mit welchem Josephus in einer langen Reihe von Jahrhunderten vereinzelt dasteht, wurde er sowol durch seine fast das ganze damalige Schriftthum umfassende Belesenheit als auch durch seine reiche persönliche Erfahrung unterstützt. Er war durch seinen Aufenthalt in Rom in eine ganz andere Welt und in ganz anders geartete Verhältnisse versetzt worden, als sie in seiner Heimath bestanden, und hatte daselbst als Augenzeuge Gelegenheit genug, die Macht des Staates kennen zu lernen, der mit seinen eisernen Armen Palästina umklammerte. Bei der Kaiserin Pvppäa, der Frau des Nero, die eine Gönnerin des Judenthums war, fand Josephus Gunst und Einfluß und er benutzte seine angesehene Stellung bei Hofe, um sich seinen Landsleuten gefällig zu erweisen. Viele Gefangene seines Stammes verdankten ihm ihre wiedergewonnene Freiheit. Vor Ausbruch des römisch-jüdischen Krieges wurde er zum Statthalter von Galiläa ernannt. Trotzdem daß er persönlich Anfangs den Krieg verhindern wollte, weil er die Tragweite desselben, wie auch der Ausgang gezeigt, nicht unterschätzte, da er die Macht der Römer zu gut kannte, leistet^ er doch, als der Krieg entbrannte, mit den Galiläern den Römern kräftigen Widerstand. Er vertheidigte mit muthiger Ausdauer die Festung Jotapata in Westgaliläa, wo er die Römer unter Vespasian sieben Wochen lang aufhielt. Josephus gerietst in rönnsche Gefangenschaft und erfreute sich, weil man in Rom wohl wußte, daß er eigentlich zur Friedensparthei gehörte und weil er Beziehungen zum römischen Hofe hatte, der Gunst der Sieger. Er leistete als Kriegsgefangener während der Belagerung Jerusalems den Römern als