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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1881-01-01 · Heft 1 (1.1.1881) · p. Seite 8

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
1 (1881)
Issue
Heft 1 (1.1.1881)
Date
1881-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Josepyus und feine Werlyeidigung des Iudenlßums gegen Apion. Um eine bedeutende auf die Verhältnisse ihrer Zeit tiefeingreifende Persönlichkeit richtig zu verstehen und zu beurtheilen, muß man vorerst das geistige Erdreich genau kennen lernen, in dem sie wurzelt, die Gedanken und Anschauungen näher ins Auge fassen, die ihr geistiges Wachsen und Gedeihen förderten oder ihr hemmend in der Auslebung und Ausprägung ihrer innersten Seelenwelt in den Weg traten. Denn nur derjenige, der nicht gedankenlos an seiner Zeit vorübergeht, sondern von den ihn umgebenden Verhältnissen niächtig angeregt wird, nur der, der seine innere selbsterrungene Geisteswelt in Kampf und in Einklang zugleich zu setzen im Stande ist mit den Anschauungen der Zeit, in der er lebt, ist auch mächtig genug, auf die Gestaltung der Zukunft dauernden Einfluß zu nehmen und Saaten auszustreuen, deren reifende nährende Frucht für alle Zeiten und Geschlechter gedeiht und zum Segen aufbewahrt bleibt in den Speichern der Geschichte. Wer seiner Zeit kühn ins Antlitz geschaut, wer unbeirrt und unabhängig von Lob und Tadel der Menge, im Vertrauen auf den endlichen Sieg der Wahrheit ihren innersten tiefen Gedankengehalt, der nicht an der Oberfläche zu finden ist, in sich ausgenommen, geistig verarbeitet, zum wissenschaftlichen Ausdruck gebracht und so zum Gemeingut der Menschheit gemacht hat, nur der allein ragt aus dem wüsten, wirren Äerölle der Vorzeit als ein herrlicher, wohlgefügter Bau hervor; in ihm erkenne» wir erst die Vergangenheit, der er das geistige Gepräge verliehen, in ihrem rechten Lichte, nnb er ist und bleibt wegweisend für alle Zukunft. Und eine solche tief und mächtig in ihre Zeit eingreifende, dieselbe umspannende und geistig beherrschende Persönlichkeit wie fast keine zweite unter den jüdischen Zeitgenossen war Joseph us, dem von der Höhe seines Geistes eine weite Ausschau in die Zustände und Bewegungen seines Volkes nicht nur, sondern auch in die griechische und römische Welt gegönnt tvar, mit der das Judenthuni ringend und kämpfend um sein Dasein sich geistig auseinanderznsetzen hatte. Und doch welch ein Wunder! Die weithin sich ausdehnende altjttdische Literatur, in der sonst mit nichts zu wünschen übrig lassender, ja oft mit peinlicher Genauigkeit jede geistige Regung und Richtung innerhalb der Judenheit verzeichnet wird, und in der auch die Namen derer sorgfältig anfbewahrt sind, die nur irgendwie und irgendwo an einer Diseussion von sonst untergeordnetem Werthe sich betheiligt haben, — sie hat keinen Raum für Jvsephus: sie lobt ihn nicht, sie tadelt ihn nicht, sie nennt ihn einfach gar nicht. Nicht so die Kirchenschriftsteller, die aus seinen Werken schöpfen, von ihm lernen, über ihn nrtheilen, ihn charakterisiren, ihn so in die christliche Welt einführen und die Lectüre seiner lehrreichen Schriften dem Volke aufs Angelegentlichste empfehlen. Wie? soll Josephns, der, ivie wir sehen werden, mit solcher Klarheit und Wärme, mit soviel Geist und Begeisterung die Sache des Judenthums vertreten und verfochten hat, denn tvirklich in dem Kanipfe zwischen Rom und Jerusalem den gemeinen Verrüthrr gemacht haben, oder tvar er vielleicht nur verkannt und mißverstanden worden, weil nur Wenige seine Schriften zu lesen

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