Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 2 (1822)
- Date
- 1822-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969091-2969092-2969094--229-2969333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2t2 m<M verließ, unb^ denen man einen geheimen, zum beabsichtigten Zwecke tauglichen Nebensinn beylegte. Dieß Verfahren war unter den Juden zur Zeit der Apostel sehr beliebt; und wer es kennt, begreift, wie die Evangelisten, um eine Behauptung zu belegen, sich oft auf Stellen des A- Tberufen, die dem Anscheine nach, auch nicht das mindeste davon enthalten. So, als Ein Beyspiel unter vielen «), sagt der Evangelist, (Matth. II, 23) Und kam und wohnte in der Stadt, die da heißt Nazareth: auf daß erfüllt werde, das da gesagt ist durch den Propheten: (Jes. XI, 1) Er soll Nazarenus heissen. — Schlage man doch die angeführte Stelle des Jeschaja in einer nicht im semitischen Dialekte abgefaßten Übersetzung nach, und man wird das Citat für einen Jrrthum erklären müssen: so völlig nichts findet sich in ihr, das hiervon spräche. Dem Sinne nach hat sie Luther vollkommen richtig gegeben, und sie lautet: Es wird eine Ruthe aufgehen vom Stamme Jischaj, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Er soll Nazarenus heissen, steht also nicht in diesem Verse. Indessen hilft der Urtext aus. Das Wort Zweig heißt auf hebräisch (Ns-er) a rsäics (Ka-ar), und nun erhielt der Evangelist die, wie es die Kabbalisten nennen, d5NÄOVö5 (^macktkä Stütze) zu seiner Behauptung, durch den geheimen Sinn, den jener Vers in sich schließt. Nach diesem bedeutet derselbe, kabbalistisch genommen: Es wird eine Ruthe aufgehen von dem Stamme Jischaj (dem Vater Davids, also vom Stamme Davids), und ein Nazar (ein Nazarenus) aus demselben wird Frucht bringen. Eine solche vorgefundene Stütze galt hier, wie in unzähligen im Thalmud bemerkten Fällen, für jeden kabba-