Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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79 Phantasie/ oder doch als ein gewagter Satz vorkommen dürfte, und übergebe sie Ihrer Prüfung. Vierter Brief. Sie und Ihre Freunde/ mögen immerhin die in meinem letzten Brief aufgestellte Hypothese verwerfen und belächeln/ so viel müssen Sie mir einräumen/ daß alles, was wir (Juden) von Gott und seinen Eigenschaften, von Fortdauer nach diesem Leben, von unsrer Bestimmung hienieden, vom Sittengesetz und Pflichten überhaupt, wissen, lehren und verbreiten, aus diesen unversiegbaren heiligen Quellen fließt, und ewig fließen wird. Die Gottesmänner aller Zeiten haben die Religionslehre, oder den Inbegriff aller dieser Wahrheiten in dem Gewände höchster Faßlichkeit, mit einem Aufwände von Scharfsinn und Gelehrsamkeit aufgestellt, dergestalt daß auch der Ungelehrteste, auch das Weib und die Kindermagd, in seinem Lebenswandel dav?n Gebrauch machen kann Sie haben nichts unver- Von der Wirksamkeit der heil- Schriften, von dem segenreichen Einfluß ihrer Lehren selbst auf den gemeinsten, rohesten und ungebildetsten Theil der Iu 'en, habe ich mich vielfaltig überzeugt, obschon diese nur auf den Weg der mündlichen Un, terhaltuna verbreitet werden, und in keinem Lehrbuch verfaßt sind. Welchem jüdischen Hausvater, welcher jüdischen Hausmutter find die Begriffe von der Einheit Gottes, seiner Vor, sehung, seinem Nichteramte, wie er die Frommen in einer andren Welt belohnen, die Bösen bestrafen wird, nicht bekannt, nicht geläufig? Auch der gemeinst: Jude, findet in trübseligen Tagen Trost und Linderung an den Gedanken einer seligen Ankunft, wo er Ersay für unverdiente? Leiden finden wird. Unter der Geißel der Verfolgung blickt er auf zum Himmel und stützt sich auf die Vorsehung als auf einen unerschütterlichen Pfeiler.