Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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50 und so konnte nach den Regeln einer einfachen Architectonik wohl dieser fest bleiben, während jener wankte, nicht aber umgekehrt der Grundstein angegriffen werden, ohne das darauf aufgeführte Gebäude zu erschüttern. Und diese Baukunstregel, zugleich der Schlüssel der Erhaltungsgeschichte der Juden, tonnt auch hier in Betracht. Die Vertilgung der Juden, wie die der Ketzer und Heiden, anordnen, wäre n-'chts Minderes als eins Kreuzpredigt gegen das alte Testament gewesen, eine dem dogmatischen Christenthum heilige Urkunde: es hätte in sich auch eine Verdammung der vorchristlichen Geschichte der Juden enthalten, durch die dech allein das Christenthum möglich geworden, also einen unauflöslichen Widerspruch. Ueberdies machte es einen Theil des christlichen Glaubens aus, daß auch die Juden einst bekehrt werden würden, und sogar war diese Bekehrung als ein wichtiger Ziel und Endpunkt gesetzt: Vertilgung der Juden hätte also die doppelte Sünde gegen die Geschichte der Vergangenheit und gegen die Verheißungen der Zukunft enthalten. Und so ist denn durch das eben Entwickelte jene Halbheit in der Gesetzgebung möglich geworden, die wir nun in ihren Einzelnheiten darzustellen haben, eine Halbheit, die mehr oder minder in alle europaische Gesetzgebungen über Juden überzugehen gewußt hat, und die nach 1500 Jahren, von Constantinus angerechnet, ihre eigene Vernünftigkeit in der niedrigen Bildungsstufe der heutigen Juden hinreichend aufweist. Wie lange wird jene verderbliche Halbheit noch währen? Hat die Geschichte nicht hinreichend gelehrt, daß man nur zwischen zwei Wegen die Wahl habe: entweder von dem Princip der allein selig machenden Kirche auszu«