Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969091-2969092-2969093--028-2969131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 fähigen Geistes. — Aber von der höchsten Bedeutung ist dies, daß das Judenthum, indem es so gleichsam unter der Schwere des Alters und äußerer Gewalt erliegend, in eine erschlaffende Lethargie versank, nach seiner eigenthümlichen, lebendigen und ewigen Grundidee, in ihrer höchsten Bestimmtheit, Consequenz und Freiheit — als wäre dies der letzte, erschöpfende Act seiner Aeußerung — nach der Weise des reinen Denkens der Speculation, d. i. reinwissen» schafrlich dargestellt wurde. Dies geschah in dem System des Benedict de Spinoza, eines Mannes, dessen Scharfsinn und Tiefe Jahrhunderten vorauseilten, dessen höchst bedeutender Einfluß auf die consequentere und tiefere Philosophie heutiger Tage unverkennbar ist, der sich zwar vom äußern Ritus des Judenthums losgesagt, aber dafür dessen innern Geist um so lebendiger begriffen hatte. So zeigt sich also das Judenthum in dem größten Theile der Weltgeschichte, als bedeutendes und einfluß> reiches Moment der EntWickelung des menschlichen Geistes. Nur der erkennt dies nicht, der mit vorgefaßtem Urtheil, wie Alles andere, so auch die Blätter der Geschichte betrachtet; oder der in der Weltgeschichte nur ein Aggregat einzelner Begebenheiten sieht, den nur die bunte Mannigfaltigkeit der Ereignisse in ihr ergetzt, für den nur blutige Schlachten, kühne Eroberungen, wunderbare Zufälle von Bedeutung sind. Nichtige Befriedigung der Neugierde, eitle Nahrung des Hanges zum Wunderbaren, gehaltlose Vergnügung der Phantasie, dies und nichts anderes wär' es, was die Annale» der Weltgeschichte uns darzubieten vermöchten, wenn in ihnen kein anderer Inhalt zu finden wäre. Aber die