Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 1822-1823
- Issue
- 1 (1823)
- Date
- 1823-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Europa begann', indem das flüchtige Griechenthnm fich sterbend, gleichsam als Vermächtniß, der Europäischen Menschheit in die Arme warf, da übte auch das Judenthum seinen Einfluß auf die Gestaltung des neuen litterarischen Lebens. Erst mit dem Anfange der neuern Geschichte fingen die Juden an, in der Cultur zurückzubleiben. Erst war es der Gewalt des Fanatismus, der besonders seit dem Beginnen der Kreuzzüge bis auf Ferdinand den Katholischen gegen die Juden auf das grausamste wüthete, gelungen, diejenige Wirkung zu äußern, die anhaltender, feindseliger Druck und Unterjochung nirgends verfehlen, und die nur die Energie der dem Judenthum zu Grunde liegenden Idee, so lang abzuhalten vermochte. Der Geist mußte nothwendig endlich auch unter den Fesseln erliegen, die den Körper der freien Bewegung entzogen. Ausgeschlossen vom öffentlichen Leben, auf eine bestimmte Thätigkeit beschränkt, wurden die Juden immer mehr auf ihre eigenthümliche Welt, auf das zurückgedrängt, was ihnen von ihren Vätern überliefert worden war. Aber das Leben in dieser aus dem Alterthum erhaltenen Welt wurde immer beengter und dumpfer, denn der lebendige Geist bewegte fich nicht mehr frei in derselben. — Seitdem beharren die Rabbinen bis auf den heutigen Tag in scholastischer Befangenheit. Das ist aber das Wesen des Scholastieismus: von dem Buchstaben der als heilig und unantastbar vorausgesetzten Tradition ausgehn, aus ihm alle Gegenstände der menschlichen Erkenntniß nach allen Seiten entwickeln, und so jede freie, eigene, lebendige Bewegung des Geistes hemmen, jedes vernünftige