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Jeschurun · 1869-07-01 · Heft 4 (Juli 1869) · page 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 4 (Juli 1869)
Date
1869-07-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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r Bo» «... 329 ״Sie ist nicht Ihre Tochter? aber wessen Kind ist ste denn? Um Gotteswillen reden sie!" ״ES mögen ungefähr achtzehn Jahre sein", fuhr Herr Meier fort, ״als eine junge Zigeunerin mit einem kleinen Kinde im Arm vor unserm Hause ohnmächtig zusammenbrach." »Eine Zigeunerin?" ״Das schien sie zu sein, doch als wir die Ohnmächtige hinein trugen und fie durch kalte Waschungen in's Leben zu rufen uns mühten, da zeigte sich, daß die dunkele Farbe ihrer Haut, eben nur Farbe. Ich war ohnehin schon überzeugt, eine Jüdin vor mir zu haben, denn im Niedersinken hatte die Unglückliche Schma Jisrael gerufen. Nach mehreren Stunden schien sie das Bewußtsein wieder zu erlangen, aber wir konnten uns ihr nicht verständlich machen, denn sie sprach nur Italienisch. Kurz darauf schien sie die Befinnung schon wieder zu verlieren, ein hitziges Fieber hatte sich ihrer bemächtigt und raffte sie in wenigen Tagen dahin. Sie hatte im Delirium viel gesprochen; uns war jedoch alles unverständlich, bis auf zwei Namen, die sie häufig rief, Giudüta und Marko; wen sie damit meinte, wissen wir freilich nicht." ״Angela! Angela!" rief Dal Monte in fürchterlichster Aufregung aufspringend, ״kein Zweifel, daß sie es war; aber wo ist ste? Um des Himmelswillen wo ist sie?" »Ich erwähnte es bereits", erwiederte Herr Meier ziemlcch leise ״sie war nach wenigen Tagen eine Leiche." ״Eine Leiche?" wiederholte Dal Monte, wie außer Stande dieses Wort zu fassen; doch plötzlich sich besinnend rief er: ,״aber das Kind? — mein Kind! — wo ist es? Um Gotteswillen wo ist's?" ״Sie haben es bereits gesehen und erkannt", erwiederte Herr Meier Lief bewegt, ״gleich führe ich fie Ihnen zu, nur wollen Sie zuvor sich zu fassen suchen und auch Ihrer Tochter einige Minuten Zeit lassen, sich zu sammeln; bis zu. diesem Augenblicke hatte sie keine Ahnung, daß sie nicht unser Kiud \ eben jetzt theilt meine Frau ihr alles mit und sobald sie beide etwas ruhiger sein werden, sollen Sie Ihre Tochter umarmen." Leo zollte ihm Beifall, er fühlte, daß es im ersten Augenblick ein harter Schlag für seine Schwester sein mußte zu erfahren, daß

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