Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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330 . Angela. fte den edlen Leuten, die sie für ihre Eltern gehalten, ganz fremd war. Sein Vater war augenblicklich freilich nicht im Stande, das WohlthLtige der momentanen Verzögerung feines heißesten Wunsches zu würdigen, doch er mußte sich fügen. Langst entschwundene Tage voll Glück und süßer Freuden, gefolgt von unsäglich schweren Leiden, traten vor sein inneres Auge und er theilte dem Manne, der sein Kind erzogen hatte, Einiges aus diesen Zeiten mit. Inzwischen lag Jenni in der Mutter Arme, die in milden schonenden Worten ihr eröffnete, was Herr Meier ihrem Vater mitgetheilt hatte. Zuerst war sie gar nicht im Stande gewesen, es zu fasten, und als sie dann endlich es doch wohl begreifen mußte, da erfaßte ein wilder Schmerz ihr Herz, sie kam sich so unglücklich, so plötzlich verwaist vor, sie weinte laut, und die Mutter, außer Stande sie zu beruhigen, weinte mit ihr. So traf sie Herr Meier, auch er war weit mehr erschüttert, als er es zu zeigen wünschte. Sobald Jenni seiner ansichtig geworden, stürzte sie^auf ihn zu, aber glicht, wie sie es von Kindheit an gewohnt war, ihn mit ihren Armen zu umfangen, sondern seine Hände ergriff sie und preßte sie unter glühenden Thränen an ihre Lippen. Er streichelte ihr liebkosend die Thränen überstutheten Wangen und mit Gewalt die eigne Bewegung zurückdrängend, trachtete er nur, sie zu beruhigen. ״Meine Jenni, meine gute liebe Jenni, du mußt nicht so weinen; sieh, in unserm Verhältnis zu einander hat sich ja gar nichts geändert; du weißt, wir haben dich stets wie unsere Tochter geliebt, und so werden wir nie aufhören dich zu lieben. Aber du Glückskind hast nun noch einen Vater gefunden., der vor Sehnsucht brennt, dich zu umarmen. Komm Jenni, sei mein starkes Mädchen, Lu mußt dich fasten, dein Vater Jahre rastlos die Welt durchwandert, um dich zu suchen; um dich zu retten hat er standhaft die Qualen der Tortur ertragen. Jenni schauderte und blickte fragend auf. »Ja, ja", fuhr Herr Meier fort, ״was ich sage ist buchstäblich wahr. Drum nimm dich zusammen, liebes Kind, es wäre Sünde, einen solchen Vater auch nur eine Minute länger warten zu lasten."