Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Angela. Geschenk seiner verstorbenen Giuditta und auf der inneren Seite lächelte ihr wohlgetroffenes Bildniß ihm entgegen. ״Dieß ist das Portrait meiner seligen Frau", flüsterte er mit Anstrengung; ״urtheilen Sie, ob diese Aehnlichkeit mich überraschen mußte." Er reichte das Portefeuille der Dame des Hauses, die vor einigen Miauten in's Zimmer getreten war. Auch sie vermochte einen Ruf des Staunens nicht zu unterdrücken. Die Tochter neigte sich zu ihr, um ebenfalls das Bild in Augenschein zu nehmen. ״Ach", rief sie, ״diese Aehnlichkeit ist in der Thal zum Staunen. Mama, das ist ja ganz dasselbe Bild, wie in dem Medaillon, das du mir geschenkt hast, weil es mir so ähnlich sieht; sogar die Coiffure ist die gleiche." Bei diesen Worten zog sie ein Mednillon hervor, das sie auf den Wunsch der Mutter Jets im Busen trug. Dal Monte taumelte zurück, er war einer Ohnmackt nahe; Leo wollte ihn stützen, doch er wehrte es und hatte seine Fassung plötzlich wieder erlangt. ״G. D. M. ist in der inneren Seite" stammelte er. ״Woher wissen Sie?" fragte das junge Mädchen überrascht. ״Es ist mein! — es ist mein! — ich selbst habe es vor achtzehn Jahre meinem Kinde umgehängt! — Großer Gott! — großer Gott!" - Herr Meier neigte sich zu seiner Frau und sprach leise einige Worte zu ihr, rasch ergriff diese den Arm ihrer Tochter und führte sie aus dem Zimmer. Dal Monte's Auge haftete noch auf der Thür, durch die das junge Mädchen sich entfernt hatte, doch war er uicht mehr im Stande auch nur einen Laut hervorzubrir.gen. ״Mein Herr", begann Leo kaum weniger erregt als sein Vater, ״Ihr Fräulein Tochter — Sie sind im Begriff uns eine Aufklärung zu geben." ״Das bin ich", versetzte Herr Meier, mit Anstrengung die Bewegung unterdrückend^ die auch jfg} Herz erfaßt hatte. ״Meine Tochter — ich hao^e von jeher als solche betrachtet und geliebt und daher kaum mehr daran gedacht, daß sie es in Wirklichkeit nicht ist."