Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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326 Angela. ausgesetzt! — Sie hatte es sich ganz anders gedacht, an des Kindes Leben hatte sie nicht bezweifelt, sie hatte geglaubt, daß Angela aus irgend einer unlauteren Absicht das Kind seiner Familie vor. enthalten. Deshalb war sie zu Leo geeilt, ihm die Wohnung seiner Tante mLtzutheilen, sie hatte geglaubt durch diesen Schritt den längst bereuten Frevel wenigstens zum Theil gesühnt zu haben. Doch Dal Monte's Vermuthung leuchtete ihr ein. — Enttäuscht, fast gebrochen be;eichnete sie flüsternd die Wohnung derjenigen, die sie für Angela hielt, es war das Etablissement, in dem die reiche Klosterschülerin ihre Bestellungen gemacht. Dann schlich sie wortlos aus dem Zimmer. Dal Monte befand sich Ln einer Aufregung, die den Sohn ernstlich besorgt um ihn machte; so hatte er seinen Vater nie gesehen. Ruhelos durchwanderte er das Gemach und war selbst bei vorrückender Nacht nicht zu bewegen sich niederzulegen. Angela hoffte er wieder zu sehen, das hochherzige Mädchen, das, um sein Kind zu retten, Familie und Heimath geopfert; von den letzten Tagen^ seines Kindes würde sie ihm berichten, würde ihm den Ort nennen, wo es ruht — Er preßte die Hand auf das wild klopfende Herz, das die Brust zu zersprengen drohte. — Der Morgen graute noch, bevor er Ruhe gefunden, und noch mußten Stunden vergehen, bevor er Gewißheit erlangen konnte. Endlich war der Tag so weit vorgerückt, daß er, ohne den Anstand zu verletzen, die ihm von der Nonne bezeichnete Wohnnng aufsuchen konnte. Leo begleitete ihn. Die Ungeduld beschleunigte ihre Schritte, sie hatten das Haus bald erreicht. Dal Monte's Aufregung hatte sich derart gesteigert, daß er unfähig auch nur ein Wort hervorzubringen, sich auf den Arm des Sohnes stützen mußte, um nicht zu sinken. Leo zog die Erkundigung ein, doch die Leute im Hause versicherten ihm, daß ihnen der Name seiner Tante, den er genannt hatte, vollkommen fremd; er glaubte seine Vermuthung von Gianna's Wahnsinn bestätigt und blickte fragend auf den Vater. Dieser hatte jedoch in demselben Augenblick, in dem seine Hoffnung wieder zu zertrümmern drohte, Faffung und Energie wiedergefunden. Indem er den Hausmeister, an den er sich gewendet hatte, um Entschuldigung bat, daß er ihn mit dem Anscheine nach so in-