Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S ... 323 sehnlichst unbeobachtet mit ihr zu plaudern. Sehr bald fühlte sie sich wieder vollkommen hergestellt und im Stande, den Heimweg anzutreten; äußerte jedoch, daß es ihr unangenehm sei, ihn in dem dumpfen, geschloffenen Wagen, der auf sie wartete, zurückzulegen. Der freundliche Fabrikinhaber stellte ihr seine offene Equipage zur , Verfügung und seine Tochter machte ihr das Anerbieten, sie bis zum Kloster zu begleiten. Mina nahm beides mit freudigem Danke an trotz des abrathrnden Kopfschüttelns der Ordensschwester, die auch keine Gegenvorstellungen sich erlaubte, denn sie harte von der Oberin den Befehl erhalten, sich in Allem nach den Wünschen der jungen Erbin zu richten. Es war am Abend deffelben Tages. Leo befand sich in freudigster Stimmung; sein Vater, den unvorhergesehene Geschäfte in die Residenz gerufen, hatte ihn überrascht. In traulichem Gespräche waren sie eben im Begriffe das Abendbrod einzunehmen, als ein heftiges Klopfen sie unterbrach. Leo sprang auf, nach der Ursache der Störung sich umzuseheu, als im selben Momente die Thüre aufzeriffen wurde und ein Frauenzimmer in Ordenstracht mit fast wahnsinnigen Geberden in's Zimmer stürzte. Es war die Kloster- Pförtnerin. ״Leo!" schrie sie, auf ihn zustürzend und als hätte sie ihn von Jugend an gekannt, ihn beim Vornamen anredend, ״Leo, ich habe sie gesehen, ich habe sie gesehen!" ״Wen?" fragte der junge Mann überrascht. ״Wen? — nun euere Tante, euere Tante Angela, die mit euerer Schwester entstohen, die —" ״Was sagt Ihr?" rief der ältere Dal Monte in höchster Erregunz. ״Angela lebt? Ihr habt Angela gesehen?" Die Nonne wandte sich um, schäuete einige Augenblicke starr auf ihn und warf sich dann im Ausdrucke tiefster Zerknirschung vor ihm auf die Kniee. Sie schien reden zu wollen, doch die Sprache versagte ihr; flehend streck:e sie die Hände empor. Dal Monte, den eigenen Augen nicht trauend, ergriff die Lampe, die auf dem Tische brennend stand, und leuchtete ihr in das verstörte, faltige Angesicht. ״Giannal" schrie er. 21*