Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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322 Angela. Ordensschwester nicht an ihrer Seite gewesen. — Aber diese war? an ihrer Seite, und deutlich war sie sich bewußt, daß selbst ihre Empfindungen beobachtet wurden, obgleich sie sich fast instinktmäßig ß hütete, ihnen Worte zu leihen; aber das Funkeln ihres sonst fast nur aufwärts blickenden Auges, die Gluth auf ihren sonst littenbleichen Wangen, verbunden mit ihren lebhaft unruhigen Bewegungen, das hatte sie verrathen; sie fühlte es und grollte dem Lcharfblicke der Nonne. Doch warum ihr grollen, hatte ihre Sehnsucht nach dem stillen, beschaulichen Leben der heiligen Schwestckn denn abgenommen? Sie wagte nicht, es sich zu gestehen und konnte sich's doch auch nicht ganz verhehlen. Uneins mit sich selbst, unklar in ihren Hoffnungen und Wünschen, erreichte sie endlich das Ziel ihres § Weges, das Etablissement, deffen Inhaber von ihren Absichten be- | reits in Kenntniß gesetzt, sie erwartete. Vergebens hatte ihre Be- 8 gleiterin unterwegs über die Aufträge, die sie zu ertheilen gesonnen, g mit ihr zu reden versucht; sie hatte anfangs zerstreut, dann gar 8 nicht geantwortet, und nun aufgefordert, anzugeben, welche Stoffe I sie wünsche, da hatte Dasjenige, was in jüngster Zeit fast ansz schließlich ihre Phantasie beschäftigt hatte, so vollständig allen Reiz z für sie verloren, daß sie, befangen und verwirrt, fast alles dem g Belieben der sie begleitenden Nonne überließ. Die heilige Schwester D schüttelte den Kopf, doch die Mißbilligung, die darin lag, sollte § bald dem tiefsten Mitleiden Platz machen, als das junge Mädchen! in einem plötzlichen Schwindelanfall ohnmächtig zu Boden stürzte.; Die Nonne schrie laut auf, während die in der Nähe befindlichen Herren die Ohnmächtige rasch aushoben und auf ein nahestehendes Kanapee legten. Die Damen des Hauses, ungesäumt von dem Unfalle benachrichtigt, eilten herbei, und ihren Bemühungen gelang es schon nach wenigen Minuten, die Ohnmächtige in's Leben zu rufen, während die fromme Schwester sich in Verwünschungen gegen die sündige Welt erging, deren wilder Lärm das arme Fräulein betäubt habe. Mit tiefem Seufzer schlug Mina die Augen auf und vermochte doch ein Lächeln kaum zu unterdrücken, als sie die unmuthigen Bemerkungen ihrer Begleiterin und die freundlich theilnehmenden Worte der Damen vernahm, die sich um sie bemühten. Namentlich zu dem jungen Mädchen, der Tochter des Hauses, fühlte sie vom ersten Augenblicke an sich hingezogen und wünschte