Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 317 Schmerzlich durchzuckte es den unglückliche« Knaben; er erinnerte sich seines Vaters kaum, hatte über die religiösen Anschauungen desselben nie eine Aeußerunz vcrnoaimen; konnte es denn möglich sein, daß der Doktor mit seiner Behauptung im Rechte? Dieser schien den Eindruck zu merken, den sein letztes Argument hervorgerufen, schien ihn nützen zu wollen, und mit beredten Worten suchte er die UnmögLchkeit darzupellen, auf weiten Reisen als altfrommer Jude zu leben. — O, es war grausam, mehr als grausam, das wunde Herz des trauernden Kindes mit Zweifel gegen den eigenen Vater zu erfüllen! Zu stolz in Gegenwart meines Peinigers Thränen zu zeige«, stürzte ich endlich hinaus auf mein eigenes Zimmer, das schmerz, zuckende Antlitz in den Kissen des Bettes zu bergen, damit niemand mein Schluchzen vernehme. — Ich fühlte mich grenzenlos elend. - War es denn wahr, konnte es wahr sei», daß mein Vater, mein eigener Dater^die Lehren, die ich, trotz Allem, was der Doktor dagegen vorgebracht, für wahr und heilig hielt, verachtete, wie der Geistliche mich glauben machen wollte. Ich kormte es nicht glauben, es schien unmöglich, aber der Doktor hatte doch die Unmöglichkeit bewiesen, auf Reisen, wie mein Vater sie unternommen, jene Lehren zu beobachten. — Ich hatte mich nach meinem Vater gesehnt, mit aller Glnch meincs liebehcdürftigen Herzerrs, und nun fürchtete ich fast die Ankunft desselben, obgleich mein Aufenthalt im Haus« derverwandten mit jedem Lag« unerträglicher ward. Trotz aller Vorstellungen des Doktors, trotz des bald ernsten bald freunrlLchen Zuredens desselben, war ich meinem Entschlüsse treu geblieben und hatte keine Fleischspeisen wieder genossen. Aber all mein Lebensmuth war gebrochen, aus dem frischen blühenden Luahez! war ein trübes sieches Kind geworden. Einige Wochen waren verstrichen. Der Herbst neigte sich zu Ende; schon fing mau an , ihn Winter zu nennen; es war einer jener rauhen unsreurrdlicheu Tage, an dem kein Sonnenstrahl den grauen Himmel erhellt. In lärmendem SpÄRRrmmelten sich die Kinder des Doktors im Familieuzimmer. Des rauhen Klimas ungewohnt saß ich nahe bei dem gluthstrahleudeu Ofen , ohne im Stmrde zu sein mich zu erwärmen. Vergebens harten die muntern klemeu mich aufgesordert an ihren Spielen Theil zu nehmen, ich