Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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316 aber Alles muß seine Grenzen haben. Gs hat in dem werfen Rathschluß de- Allmächtigen gelegen, deinen guten Großvater zu sich zu rufen und Seine Vorsehung war es, die dich zu mir geführt, dich meiner väterlichen Fürsorge anvertraut; ich betrachte eß daher alheiligste Pflicht, zu dir mein Sohn zu reden, als wäre ich dein wirklicher Vater. — Schau her, liebes Kind, du bist nicht nur ein guter, du bist auch ein recht kluger, verständiger Knabe; dahabe ich in der kurzen Zeit unserer Bekanntschaft schon heraus, gedrscht; darum ist eS auch möglich, daß du schon se'.bst beobachtet haben wirst, daß, wen« der Mensch alt wird, wie seine körperlichen Kräfte sinken, so seine geistigen abnebmen, fein Blick nicht mehr hell und klar ist, seine Anschauungen sich tr^en. Aber deinen Großvater hast du stetals Greis gekannt und hast daher schiver-!ich dieses allmälige Sinken sowohl seiner physischen und psych,schen Kräfte gewahre« köunen, und ich begreife es nicht nur, ich finde es sogar lobenswrrth, daß du bisher noch ganz in dem Sinne des Verstorbene« «eitergelebt hast. Nachdem ich dich jedoch nun hierüber aufgeklärt habe, nun wirst auch du es begreifen, daß es nicht weniger alS thuulich, daß es höchst lächerlich wäre, wenn du, ein junger lcbensftischer Knabe, der erst in'S LeL^n tritt, diein derselben Weise thun wolltest, wie der schwache lebensmüde Greis, aler das Leben verlassen." Der geistliche Herr hielt einen Augenblick inue, dann fuhr er in derselben mildsnßen Weise fort: ״Ich finde es begreiflich, mein liebes Kind, und sogar eher lobenswerth, daß es dir schwer wird, so mancher alten dir liebzew erden en Gewöhnheit zu entsagen; aber das frisch pulstrende Leben fordert gebieterisch seine Rechte, die nur der lebensmüde Greis, der Ln sein Grab her» uiedersteigt, ihm ungestraft entziehen darf. — Sieh deinen eigenen Vater; man sagt mir, seit ft'mf oder sechs Jahren verbringe er die meiste Zeit auf Reisen, und kannst du glauben, daß er dies im Stmcke wäre, wenn er alle die veralteten sinnlose: Gebräuche, die dein Großvater dich gelchrt, beobachten wollt«? — Ich kann wir denken, daß du über diese Thatsache noch nicht nachgedacht hast; aber wenn du derselben auch nur eine kurze Ueberlegung widmen wirst, so wirst du einsehen, daß die Anschauungen deines Vaters mit denn» demes Großvaters durchaus nicht übereinstimmen können *