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Jeschurun · 1869-07-01 · Heft 4 (Juli 1869) · page 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 4 (Juli 1869)
Date
1869-07-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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Bon S... 315 dazu gezwungen, konnte doch nicht fasten, bis der Vater kommen würde. O Vater, Vater, komm! rief ich, während heiße Thranen meinen Augen entstürzten. Doch als ich eine Zeit lang diesem kindlichen Ausbruch des Schmerzes mich überlasten hatte, da erwachte meine Energie; ich wollte mich nicht zwingen lasten, zu thun, was ich als Unrecht kannte und in dem Hause, in dem man den Sabbath entweihte, wollte ich Fleischspeisen ferner nicht genießen. Doch als ich Mittags wieder nur an Brod mich sättigte und alle übrigen Speisen unberührt ließ, da hielt es mein frommer Derwandter doch an der Zeit, mir ernst in's Gewiffen zu reden. Es war dieses allerdings in der fremden Sprache etwas unbequem, aber es war doch unerläßlich. Was er als Gelehrter, als Geistlicher für Recht erkannt, das wollte der unwistende Knabe keck verdämmen? wollte fich weigern zu genießen, was auf seinem Tische erschien? Das ging zu weit. Eine lange Rede mußte der kecke Hube darüber anhören; aber ich hatte mir vorgenommen, kein Wort darauf zu erwidern, um der Spottlust des Doktors wenigstens keinen Anlaß zru, geben. Doch dies Schweigen nahm der fromme Mann für Verstocktheit und ereiferte sich nur noch mehr. ״Nun, wirst Du mein braver Knabe sein und genießen was ich als Stell- Vertreter Deines Vaters zu genießen Dir befehle?" fragte er endlich. ״Ich bin schon satt," erwiderte ich ausweichend. Des Doktors Blut gerieth in Wallung, ich glaube, hätte er nicht bei Zeiten des reichen Honorars gedacht, das er für die Verpflegung zu beanspruchen beabsichtigte, er hätte sich wohl nicht zurückhalten können, dem eigensinnigen Burschen durch ein paar derbe Ohrfeigen seine Ueberzeugung beizubringen; doch bei diesem Sachverhalt mußte er auf andere Mittel sinnen, den Verstockten zu überzeugen — Die Mahlzeit war beendet, die Familie hatte sich bereits erhoben; in erregter Gemüthsstimmung durchwanderte der Hausherr das Gemach während ich das in diesem Hause verpönte Tischgebet verrichtete. Doch als dieses beendet, nahm der Doktor seinen Platz wieder ein und begann mit sanftem mildem Wort ״Komm 'mal her, mein liebes Kind und laß uns vernünftig mit einander reden. Du bist ein braver guter Knabe und ich will dich auch durchaus nicht tadeln, daß du bisher noch Alles beobachtet hast, wie du es von deinem guten Großvater vor dir gesehen; ich achte diese Pietät,

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