Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Angela. Lieblinge oft scheinbar beraube, nur um sie größerem Glücke entgegen zu führen, und daß des Kindesalters größtes Glück es sei. in reinem frommem Familienkreise sich zu befinden. Mit kindlicher Aufmerksamkeit lauschte ich den Worten des frommen Mannes und schloß ihn liebend in mein Herz, in dem ich einen der frommsten und besten der Menschen zu erblicken wähnte. Doch schon nach wenigen Tagen, als das leichte Unwohlsein, das mich bis dahin in meine« Zimmer gehalten, gewichen und ich nun auch mit der Familie meine- Verwandten in stete Berührung kam, da erlitt meine Verehrung für denselben einen argen Stoß. Gewahrte ich doch mit schmerzlichem Staunen, daß gar viele der religiösen Vorschriften, die mein seliger Großvater mich gelehrt, hier im Hause gar nicht beobachtet wurden. Und wenn ich sie trotzdem nicht vernachlässigen wollte, durste ich des Hohnes und spötttscher Bemerkungen des Hausherrn sicher sein. ״Dein guter Großvater," pflegte er zu sagen, ״hätte in der That Befleres dich lehren könne,׳; er scheint dir überhaupt eine sehr finstere Erziehung gegeben zu haben und du darfst dich glücklich schätzen, mein Sohn, daß du noch -ei Zeiten in andere Hände gerathen bist." — Der Sabbath kam heran; um in's Wohnzimmer zu gelangen, mußte man die Küche passiren, und wie staunte ich Knabe, als ich die Köchin am Herde, auf dem ein Helles Feuer lustig brannte, ganz wie gewöhnlich Handtiren sah. Zch weigerte mich, das frisch bereitete Frühstück zu genießen und schützte Appetitlosigkeit vor, um den höhnenden Sticheleien % des wackern Geistlichen zu entgehen. Sobald dieser sein Frühmahl beendet hatte, mußte eines der Kinder ein frisch gelegtes Ei aus dem Hühnerstall ihm holen, das der Doktor noch warm hinunterschlürfte, um seine Stimme zur Predigt klarer und volltönender zu machen; dann vollendete er seine Toilette und begab sich in den Tempel, um sich an dem Vorträge zu erbauen, den er seiner Ge- «einde zu halten hatte; ein Theil seiner Familie folgte ihm; ich aber bat, zu Hause bleiben zu dürfen, und der Doktor, Wahlscheinlich im Hinblick darauf, daß ich seine herrliche deutsche Rede doch nicht verstehen könne, fand dieses auch ganz in Ordnung. Zch fühlte «ich unsäglich unglücklich. In einem Hause, wo am Sabbath frisch gekocht wurde, hätte mich mein Großvater nin,mer essen lasten; dawiederholte ich mir fort mir fort, aber jetzt war ich