Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Bo« S... 31S wurde, unterrichtete der Großvater mich selbst nicht nur in der Landessprache und in den Realien, sondern auch in der heiligen Sprache der Väter und in der Religion. O das waren glückliche Jahre — leider sollten sie nicht lange währen; ich hatte das elfte Jahr kaum vollendet, als ein Schlaganfall den Großvater traf und in wenigen Stunden dessen Leben endete. — Tief empfand ich den herben Verlust, den ich erlitten; ich war vertpaist, obgleich mein Later lebte; denn diesen hatte ich schon seit Jahren nicht gesehen, augenblicklich durchreiste er die Berberstaaten ohne Ahnung von dem neuen Unglück, das ihn getroffen. Man beeilte sich zwar, ihn davon in Kenntniß zu setzen, doch Wochen mußten vergehen, bevor er diese erhalten, neue Wochen bevor er die Heimath erreichen konnte. Ich hatte keine Verwandten in der Nähe, befand mich allein mit einer alten Dienerin, die schon meine verstorbene Mutter auf den Armen getragen hatte; diese erinnerte sich, daß ihre verstorbene Herrin kurz vor ihrem Tode wiederholt von einem Verwandten gesprochea, der in der Hauptstadt des österreichischen Karserstaats als israelitischer Prediger lebe; an diesen wandte man sich mit der Frage, wo der verlassene Knabe bis zur Heimkehr seines VaterS weilen solle. Herr Doktor N., vermuthlich in Erwartung einer reichen Vergütung, erklärte sich bereit, den Verwaisten in den Kreis seiuer Familie aufzunehmen, und wäre es auch für längere Zeit. — Saum vierzehn Tage nach dem Ableben des schmerzlich beweinten Großvaters befand ich mich daher im Hause meiner deutschen Verwandten, die mit außerordentlicher Freundlichkeit mir entgegen kamen Md sich zu bemühen schienen, mir den Aufenthalt bei ihnen so angenehm als möglich zu machen. — Doch fühlte ich hier nur doppelt die Verlassenheit meiner Lage! Fühlte ich mich doch ganz allein im fremden Lande unter fremden Leuten, deren Sprache ich nicht verstand und denen ich nur mit größter Mühe durch Zeichen mich per ständlich machen konnte. Der Doktor war der Einzige, der in de« Lauten der Heimath mit mir sprach, und so sehr er auch die schöne Sprache radbrechte, ich wußte es ihm innig Dank; fühlte ich mich doch schon beglückt, wenn ich nur ein italienisches Wort vernahm! Mit sanften salbungsvollen Worten und gewinnender Herzlichkeit plauderte der Doktor, sprach brld von meinem schönen Heimathkud, bald von den unerforschlichen Wegen der Vorsehung, die ihre