Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Angela. ist daS möglich?" rief die Nonne. ״Ihr sagtet ja selbst, daß meine Taute mit ihr entflohen, und seitdem sind beide verschwunden." Die Nonne schrie entsetzt laut auf; es lag so viel wirkliche! Schmerz in diesem Schrei, daß der junge Mann seinen Widerwillen gegen sie schwinden fühlte und unaufgefordert ihr mitthrilte, daß sein Vater viele Jahre auf Reisen zugebracht, um eine Spur der theuren Flüchtlinge zu entdecken, doch umsonst. Ein Stöhnen entrang sich der Brust der Klosterpförtnerin, und noch bevor die jungen Leute es wußten, fanden sie sich allein ״Was war das?" forschte Wenzel, der trotz der eigenen Aufregung dem seltsamen Gespräche mit gespanntester Aufmerksamkeit gefolgt war. Dal Monte wollte es ihm erklären, doch sie befanden sich bereits im Freien und das Toben der Elemente hatte in einer Weise zugenommen, die jede Unterhaltung unmöglich machte. Als sie aber ihre Wohnung erreicht hatten und beide noch zu erregt von dem tm Kloster Erlebten nicht daran dachten zu arbeiten, da theilte Dal Monte dem Freunde den Inhalt seiner Unterhaltung mit der Nonne mit, und einerseits um den Bitten des Andern zu genügen, andererseits weil es ihm im Augenblicke selbst einen Reiz gewährte, den Erinnerungen, die jenes Gespräch in ihm erweckt, weiter nachzuhängen, erzählte er die Erlebnisse seiner Jugendjahre, die er allerdings theilweise nur vom Hörensagen kannte, seine eigenen selbständigen Erinnerungen begannen erst bei seinem Aufenthalt im Hause feines Großvater-. ״Noch glaube ich ihn vor mir zu sehen," sprach er, ״den milden, freundlichen alten Mann, den ein seltsam schweres Geschick so plötzlich fast seiner ganzen Familie beraubt; ich allein war ihm geblieben. Wie seinen Augapfel wußte er mich zu hüten und zu bewahren; auf keine Minute ließ er das Kind von seiner Seite, selbst bei Spielen und auf Spaziergängen war der Großvater stets gegenwärtig. Um sich gänzlich der Erziehung seines Enkels zu widmen, hatte er sogar sein Geschäft aufgegeben. Wie hatte so viel Liebe, so viel Hingebung den Knaben nicht beglücken sollen! Mit leichtem Kinderfinn hatte ich die Tage des Unglücks rasch vergessen, in Freude und Heiterkeit entflohen die Tage. Als ich etwas älter