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Jeschurun · 1869-07-01 · Heft 4 (Juli 1869) · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 4 (Juli 1869)
Date
1869-07-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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m Schicksale des Talmuds im Mittelalter. Allein Niemand schien ihm Auskunft geben zu können. Worauf er vorschlug — freilich in so dunklen Ausdrücken, daß sie viele Deutungen zuließe» — drei Lehrstühle fürs Hebräische, Chaldäische und Arabische, als den drei Sprachen, welche dem Idiome des Talmuds am nachsten ständen, zu gründen. Die von chm dazu gewählten Universitäten waren Paris, Salamanca, Bologna und Oxford. Mit der Zeit hoffte er, würde eine dieser Universitäten im Stande sein, eine Uebersetzung dieses geheimnißvollen Buches zu produciren. Bedarf es der ausdrücklichen Erwähnung, daß dieser Plan niemals zur Ausführung kam? Aber- und aber- und abermals wurde vielmehr jener andere, leichtere nnd schnellere Prozeß der Verbrennung in's Werk gesetzt, und nicht in den einzelnen Städten Frankreichs und Italiens allein, sondern in Süd und Nord, in Ost und West — durch's ganze heilige römische Reich. Endlich begab sich eine Wandlung. Ein gewiffer Pfefferkörn, eine gar erbärnrliche Creatur, begann zur Zeit des Kaisers Maximilian für eine neue Verordnung zur Vernichtung des Talmuds zu wühlen. Der Kaiser lag mit seinem Heer vor Padua, als der böszüngige Bote, mit freundlichen Briefen von Kunigunde, Maximilian's schöner Schwester, versehen, im Lager eintraf. Maximilian, abgespannt und arglos, erneuerte bereitwillig genug die altehrwürdige Verordnung der Consiscation, der naturgemäß eine Verbrennung folgen sollte. Die Consiscation wurde sehr gewissenhaft ausgeführt, denn Pfefferkorn wußte genau, wo seine früheren Glaubensgenoffen ihre Bücher verwahrt hielten. Allein ein Autodafe gar anderer Art sollte folgen. Stunde für Stunde, Schritt für Schritt nahte di« Reformation. Reuchlin, der hervorragendste Hellenist und Hebraist seiner Zeit, war in's Comits ernannt worde», welches des Kaisers Verordnung mit seiner gelehrten Autorität unterstützen sollte. Allein diese Aufgabe mundete ihm nicht. ״Es gefalle ihm Pfefferkornes Aussehen nicht", meinte er. Zudem war er ein gelehrter und ein ehrlicher Mann, und, Schöpfer des deutschen Hellenismus, mochte er kaum an vem elendigen Morde dieses ״von Christi nächsten Verwandten geschriebenen" Buches Theil haben Bielleich sah er die schlau gelegte Falle. Er war schon lange vielen seiner Zeitgenoffen ein Dorn im Auge gewesen. Auf

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