Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Judenbekehrung und Judenverfolgungen in Rumänien. Versprechungen verleiten ließe«, diesen Männern zu vertrauen, und und die eben dadurch in das größte Elend geriethen, weil sie von ihren eigenen Glaubensgenossen als Abtrünnige aufgegeben, von ihren neuen Freunden aber in allen bei ihnen angefachten Erwartungen hintergangen worden sind, worauf sie in ihrer Verzweiflung auf allerhand Irrwege geriethen. Es sollen aus England auf Requisition dieser Missionaire bedeutende Summen zum Behufe der Unterstützung solcher zu bekehrenden Familien hereinfließen, aber diese erhalten davon höchstens nur sparsame Brocken. Die Bekehrung, heißt es dann, wenn die Leute reclamiren, soll ja nur aus inneren Motiven und nicht des leidigen Mammons willen erfolgen, und diese ganz unerwartete, allen Antecedentien widersprechende Wendung der Dinge läßt dann die bedauernswerthen Opfer, aber freilich zu spät, einsehen, daß sie als bloßes Mittel zur Erreichung anderweitiger Zwecke gedient haben. Die Proselytenmacherei ist in unseren Tagen — gelind gesagt — nicht mehr zeitgemäß. Unsere occidentalischen Juden fühlen wohl auch, gleich den Christen, ein Bedürfniß nach religiösen Reformen, aber nur das von humanen Ideen durchdrungene Weltbürgerthum eines Lessing vermag ihnen׳ diese Reformen zu bieten. Zm Orient dagegen, wo das auf verschiedenen Stadien stationär gebliebene Bewußtsein der Vorzeit noch lebt, versuchen die Gespenster längst überwundener Standpunkte sich noch zur Geltung zu bringen, indem sie der Menschheit das beschämende Bild früherer Thorheiten und Berirrungen aus den Zeiten ihrer Unmündigkeit Vorhalten. Auf diesem Standpunkte stehen die Völker in der europäischen Türkei. In Salonichi z. B. wird noch an das mittelalterliche Märchen geglaubt, daß die Juden zur Bereitung der ungesäuerten Brode für das Paffahfest Christenblut gebrauchen; deshalb würden die ungesäuerten Brode von dort aus nach allen Orten des Orients, wo Juden wohnen, massenhaft versandt und von diesen letzteren theuer bezahlt. Die Beimischung des christlichen Blutes zu ihren ungesäuerten Broden soll aber auf dem Aberglauben beruhen, daß die Juden durch de» Genuß eines, wenn auch noch so winzigen Theilchens desselben, der. den Christen verheißenen ewigen Seligkeit theilhaftig werden und nicht mehr außer dem Bereiche der Erlösung stehen. Dieser lächerliche Aberglaube, der doch ganz augenscheinlich keinen