Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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aus jüdischen Sprach« und Spruch-Gedanken. 261 Handhaben des bereits erworbenen Wissensschatzes den geistigen Besitz werth und lieb zu machen. Es gehört immer ein ganzer Sokrates dazu, und beschränkte Lehrer, die ihre sokratische Methode überall anwenden zu muffen glauben und — man verzeihe uns die Trivialität des Gleichniffes — auch auf der Mühle mahlen wollen, auf die fie vergeffen haben Korn aufzuschütten — quälen nicht selten sich nnd ihre Schüler vergebens ab und müffen zuletzt, um nicht mit leerem Scheffel heimzukehren, geschickt oder ungeschickt das abverlangte Mehl selbst in den Mablgang schütten. Die meisten Gegenstände, die wir die Jugend zu lehren haben, find für ihre Kenntniß und Erkenntniß neu, oder es sind neue Wahrheiten, Verhältnisse, Beziehungen, die wir ihnen an bereits in anderer Hinsicht bekannten Objekten zu offenbaren haben. Es ist eine Bereicherung des jugendlichen Gedankeninventars. Da tritt vor Allem die Aufgabe des primitiven, frischen Lehrens an uns heran, die unser jüdischer Sprachgedanke als geistlges Keimlegen, Befruchten, Zeugen, horaah, begriffen wissen will. Darum sei zuerst unser Lebren nichts Mechanisches. Was lebendig weiter wachsen soll, muß auch lebendig, anregend, gegeben werden. Aber das lebendig Anregende muß mehr in dem Mit getheilten, als in der Weise des Mittheilens liegen, die vielmehr von der ruhigsten Besonnenheit beherrscht sein sollte. Gilt es doch, einen geistigen Keim also einem jugendlichen Geistesacker zu übergeben, daß er dort Wurzel fasse und in dem dort Vorhandenen, ja dem Boden seiner weitern Fortentwicklung, Verwandtes und Entsprechendes vorfinde, mit dem er sich anschließend organisch verbinden und daraus Nahrung weiteren Gedeihens zu schöpfen vermöge. Daher nicht zu jeder Zeit, und Jedem auf jeder Stufe ist Jegliches in jedem Maaße und jeder Art zur Aneignung zu bieten. Svrgfällig muß der Boden, das an geistiger Kraft und geistigem Stoff Vorauszusetzend׳, erwogen, und danach der Gegenstand und das Maaß des Umfanges, so wie die Art der Mittheilung gewählt werden Die ganze Kunst der Stoffvertheilung in einem Unterrichteplan beruht auf richtiger Würdigung des organisch lebendigen Wesens jedes wahrhaften Unterrichtes. Denn nur besonders begabte Naturen vermögen auch wohl Voraussetzungsloses mit Nutzen in sich auszunehmen. Die lebendig organische Keimkraft des Mit-