Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1868-1869)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Pädagogische- und Didcütischeeinem denkenden Lehrer auS einer Anschauung erschließen, die ihn fich als geistigen Befruchter und sein Geschäft als Legen eincs Keimes in den geistigen Organismus seines Zöglings begreifen läßt, die dort organisch wachsen und fich zur vollendeten Reife entwickeln soll. Berfrchen wir die Andeutung einiger der Gedanken, die io diefer Anschauung ihre Anregung finden dürften. Da möchte denn zuerst diese Anschauung in geradem Gegensatz zu jener sokratischen Weisheit ericheinen, die die Kunst des Lehrens als geistige Hebamme begreifen lehrt, und durch eine Reihe künstlich gegliederter Fragen dem Zögling die Erkenntniß und Anerkenntniß einer Wahrheit entlocken, und ihn das Wahre als bereits in ihm, aber nur dunkel vorhanden, nunmehr zu klarem und deutlichem Bewußtsein aufzufinden anleiten will. Allein wir rmgen den bescheidenen Zweifel, ob die Uebertragunz dieser sokratischen Methodik auf den Jugend unterricht nicht vielleicht den wesentlichen Umstand übersehen haben möcbte, daß Sokrates mit bereits erwachsenen - Jünglingen belehrende Unterhaltung pflog und noch dazu seine Lehren größtentheils ethische Wahrheiten zum Gegeustande hatten. Erwachsene Jünglinge haben bereits bewußt und unbewußt durch Unterricht und Umgang, durch Erfahrung und Beispiel eine Fülle von Erkenntnißkeimen in sich ausgenommen, und — wir glauben nicht zu irren — zu ethischen Urtheilen trägt Jeder, und selbst das frühe Stadium der Kindheit die wesentlichsten Erkenntnißknospen in sich. Sie sind ein Angebinde des Schöpfers, das eben den Menschen zum Menschen macht. Da ist eben die sokratische Kunst ganz an ihrer Stelle. Da gilt es, den jugendlichen Geist durch ״zurückbeugen" auf sich selbst, reflektirend, den bereits vorhandenen Gedankenstoff sich zum Bewußtsein, die vorhandenen Gedankenbilder scheidend und verbindend in die der Wahrheit entsprechende Ordnung bringen, und durch immer weiter und weiter führende Schlüffe endlich die gewünschte Erkenntniß auS dem Innern des Zöglings heraus geboren werden zu lassen. Allein beim Jugendunterricht wird diese sokratische Methode nur immer sekundär einDhen können, wo es gilt, bereitS Aufgenommenes, in's unbewußte Wnkel Zurückgetretenes, wieder in die Klarheit des Bewußtseins hervor zu heben, durch wiederholte Gedankenanschauung zu befestigen und durch selbstschöpferisches