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Jeschurun · 1869-04-01 · Heft 3 (April 1869) · page 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1868-1869)
Issue
Heft 3 (April 1869)
Date
1869-04-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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354 Angela. der Universität ein ziemlich lockeres Leben geführt, reichte das ansehnliche Jahcgeld, das die Großmuth seines Vaters ihm bestimmt, nicht aus, so kostete es ihn nur einen Bries und er hatte, so viel er verlangte, ohne daß der Alte auch nur einen Vorwurf Hinzugefügt hätte. Daß er daher nie daran gedacht, sich einzuschränken, ist leicht begreiflich. Um so härter traf ihn jetzt der unerwartet schwere Schlag. Schon bei seiner jüngsten Anwesenheit im väterlichen Hause, hatte er den Vater sehr verändert gefunden, er vermochte das Bett nur selten zu verlaßen und aus dem zärtlichen nachsichtigen Vater, war ein finsterer bigotter Tadler geworden, der den Frohsinn des Sohnes, der ihn sonst erheitert hatte, nicht mehr um sich dulden wollte. Er, der in seinem ganzen langen Leben, die Religion kaum beachtet hatte, führte nun mit einem mal beständig heilige Phrasen im Munde, ließ den Rosenkranz kaum aus Händen, und verlangte von seinen Kindern, daß sie täglich die Kirche besuche. Die Ursache dieser, von den Kindern schmerzlich empfundene Aenderuna war jedoch nicht schwer zu errathen; ein Jesuiten-Pater besuchte den allen Wenzel täglich und brachte' täglich mehrere Stunden bei ihm zu. Zu dieser Zeit durste Niemand das Krankenzimmer betteten, der Patient wollte ungestört allein mit seinem Seelenarzt sich berathen. — Der gute brave alte Mann hatte, seit Pater Josef mit seinem Besuche ihn beehrte, plötzlich entdeckt, daß er sein Lebtag ein schwerer unbußfertiger Sünder gewesen. Wohl hatte er viele Tausende den verschiedensten Wohlthätigkeitsanstalten gewidmet, und sämmttiche Arme des Städtchens verehtten ihn wie ihren Vater, hatte doch keiner je vergebens sich an das milde Herz des Millionärs gewendet; aber jetzt erst erkannte dieser es deutlich daß alles, was er bisher gethan, nicht in dem rechten wahren Geist der Liebe war geübt worden, und die Kirche hatte er nickt ein einzigesmal bedacht. — Das alles wurde jetzt schmerzlich beweint, und sollte, so viel als möglich wieder gut gemacht werden. Pater Josef gab sich unendlich viel Mühe/uNd ׳eine Mühe trug auch reiche Früchte, aber doch nicht ganz so reiche, wie er >u hoffen sich berechtigt gehalten. — Ter fromme Pater hätte dem reuigen Sünder gar zu gern, die möglich größte Himmelsseligkeit verschafft,

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